Nachtruhe

  • Dieser exklusive "Schlafplatz" für Segelboote an der Alster liegt in der Nacht fast in völliger Dunkelheit, lediglich entfernt platzierte Strassenlaternen spenden etwas künstliches Restlicht, das mit sehr langen Belichtungszeiten Details und Farben zum Vorschein bringt. Da es an diesem Tag nahezu windstill war, spiegelt sich die "Skyline" so wunderbar im Wasser, also habe ich die Kamera gezückt. Der Dynamikumfang ist etwas knifflig, ich hoffe, es ist trotzdem einigermaßen ansehnlich geworden ... :smile:




    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

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  • :danke:!

    Mich irritiert etwas daß die Lichtsituation durch die lange Belichtung unnatürlich erscheint.

    Das geht mir im Grunde genommen auch so, diese Langzeitbelichtungen in der Nacht farblich als auch in der Helligkeitsverteilung "natürlich" aussehen zu lassen, ist jedesmal eine Herausforderung für mich. Letztendlich wäre ein natürlicher Eindruck (entsprechend dem, was das Auge sieht) nur ein dunkles und eher farbloses Bild (in den Schatten) und auch die Farben der Lichter würden längst nicht so intensiv erscheinen. Mich aber reizt diese Mischung aus Restlicht (available light) und all den unterschiedlichen künstlichen Lichtquellen, die bei entsprechend langer Belichtungszeit in einer Weise zur Geltung kommen, die man mit den Augen so niemals sehen wird. Schon alleine die Wirkung von nur etwas diesiger Luft bis hin zu tief durchziehenden Wolken, die dann ihrerseits durch Reflexion/Streuung zu Lichtquellen werden (im Sinne einer Softbox), erschafft manchmal so irre Farb- und Lichtsituationen, dass man gar nicht weiß, wie man das Thema Weißabgleich und Lichtintensität überhaupt angehen soll. Von daher irritierend, ja, auf jeden Fall, aber auch vielleicht gerade deshalb interessant, weil es eben nicht unbedingt dem entspricht, was man gewohnt ist bzw. erwartet. :smile:



    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Hier habe ich überlegt ob es besser wäre einfach zumindst eine der Laternen mit ins Bild zu bringen.

    Du meinst vermutlich, dass das Auge bzw. das natürliche Empfinden durch eine vertraute Lichtquelle (also Farbe und Lichtverteilung) im Bild erleichtert wird. Die Idee finde ich grundsätzlich gut, nur ist das meist gar nicht so leicht umzusetzen, wenn der Dynamikumfang in der Nacht alle Grenzen sprengt, gegen die Überstrahlungen um die hellen Lichtquellen herum helfen auch keine Belichtungsreihen mehr und was vor allem stört, sind die unterschiedlichen Lichtfarben solcher Lichtquellen, da wird ein passender Weißabgleich für die gesamte Szene ganz schnell zum Problem.

    Für dieses Motiv leider ohnehin keine Option, die nächste Strassenlaterne ist gute 30m entfernt und am Standpunkt ist auch nicht zu rütteln.


    Vielleicht muß ich mir mal eine ansehnliche Standlaterne organisieren und diese dann bei Bedarf im Motiv platzieren. Wird dann aber langsam voll in meinem Rucksack ... :ugly:




    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Schon alleine die Wirkung von nur etwas diesiger Luft bis hin zu tief durchziehenden Wolken, die dann ihrerseits durch Reflexion/Streuung zu Lichtquellen werden (im Sinne einer Softbox), erschafft manchmal so irre Farb- und Lichtsituationen, dass man gar nicht weiß, wie man das Thema Weißabgleich und Lichtintensität überhaupt angehen soll.

    Hier kann Capture One ziemlich gut helfen. Sauteuer und unter Windows auch noch mit Datenbankfehlern belastet, aber im Ergebnis nahezu unschlagbar. Ein wenig Einarbeitung wird aber wahrscheinlich nötig sein.


    In diesem Fall besonders hilfreich:

    • der Farbeditor (jede Farbe einzeln bearbeitbar bzw. als eigene maskierte Ebene auch hinsichtlich des Weißabgleichs zu bearbeiten)
    • die Luminanzmasken (mehrere miteinander)
  • Einen ähnlichen Effekt beobachte ich bei vielen HDR-Bildern.

    Es gibt offenbar einen Unterschied meiner Wahrnehmung von Licht der von der Gesamthelligkeit der Situation abhängig ist.

    Letztlich vergleicht man halt immer mit dem Maßstab, den man kennt, und das ist das eigene Sehempfinden und all das, was man in diesem Zusammenhang gewohnt ist. Bei Tonemappings (HDR) kommt es ja auch auf die Zielsetzung an, soll das Ergebnis ganz natürlich wirken oder nutzt man diese Technik, um zu pushen bzw. mehr oder weniger stark zu manipulieren?


    Ein wichtiger Aspekt scheint mir auch zu sein, dass unser "Sehapparat" und Kameratechnik nicht 1:1 vergleichbar sind. Unser Sehen ist vor allem ein dynamischer Prozeß, eher Video als Foto und unsere Sehzellen reagieren auf Farben und Helligkeiten in anderer Weise, als ein Kamerasensor.


    Sobald Langzeitbelichtungen bei Dunkelheit zum Einsatz kommen, kann es im Grunde genommen kein "natürlich wirkendes Ergebnis" mehr geben, weil wir eine solche Szene, wie z.B. s.o. niemals mit dieser Helligkeit (und der damit einhergehenden Sichtbarkeit von Farben!) mit unseren Augen sehen können.


    Von daher halte ich persönlich bei solchen Bildern den Maßstab "Natürlichkeit" für mehr oder weniger ungeeignet, das kann eigentlich nicht funktionieren. :smile:




    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Hier kann Capture One ziemlich gut helfen.

    Die Software ist gut, keine Frage, aber in PS habe ich weitaus mehr Möglichkeiten, knifflige Gesamtsituationen(!) in den Griff zu bekommen. :smile:


    Das Problem liegt (für mich) an anderer Stelle: zum einen der Anspruch an "Natürlichkeit" ist m.M.n. bei der Verarbeitung von Belichtungsreihen, je nach Zielsetzung(!), immer fraglich. Dann die Einzelbilder, von tief schwarz mit klar definierten Lichtquellen bis hin zu durchgezeichneten Schatten, dafür aber massiven Überstrahlungen, hat so eine Belichtungsreihe alles zu bieten. Die Herausforderung entsteht vor allem beim Tonemapping (bzw. DRI/Fusion), wenn es darum geht, für jeden Bereich des Bildes die passende Belichtung (und Farbgebung) auszuwählen.


    Bei sehr hellen Lichtern im Vordergrund findet sich aber nicht immer so ein Bild, wo die dunklere unmittelbare Umgebung um diese Lichtquelle herum sauber durchgezeichnet aufgezeichnet wurde. Diese Lichtquellen brennen sehr schnell aus und dann überstrahlen diese Halos jeden Schattenbereich derart, dass man da einfach kaum etwas machen kann.


    Und es bleibt das Problem, dass Langzeitbelichtungen(!) Farben zum Leben erwecken (sichtbar machen), die wir mit unseren Augen in der Nacht einfach nicht sehen können. Wo soll man da ansetzen, wenn z.B. diverse Farbstiche von unterschiedlichen Lichtquellen das Gesamtbild mehr oder weniger in Teilen oder auch im Ganzen beeinflussen? Hier stoßen Sehgewohnheiten einfach an Grenzen ... :smile:



    Für mich persönlich sind solche Bilder vom Ergebnis her immer "streitbar", weil es falsch bzw. richtig eigentlich nicht gibt, sondern einzig der persönliche Geschmack und Anspruch (z.B. Sehgewohnheiten) des Betrachters darüber bestimmt, ob es gefällt oder nicht. Und das finde ich auch völlig in Ordnung so! :smile:


    Solche Bilder sind in gewisser Weise ja immer auch eine Form der "Provokation" (durch Konfrontation mit möglicherweise ungewohnten Lichtern und Farben). Wenn ein Betrachter dabei seine eigenen Sehgewohnheiten in gleicher Weise hinterfragt, wie die Farben/Lichter des Bildes, dann werte ich das persönlich als vollen Erfolg. :smile:




    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Die Software ist gut, keine Frage, aber in PS habe ich weitaus mehr Möglichkeiten, knifflige Gesamtsituationen(!) in den Griff zu bekommen.

    Ich bin PS-Anwender der dritten Stunde ;) (ab PS 3.0) und weiß, was Photoshop leisten kann. Trotzdem verwende ich heute eher Capture One, nur mehr in sehr seltenenen Fällen PS. Capture One bietet mir heute, gerade in der Farbbehandlung, Möglichkeiten die noch vor zwei Jahren undenkbar waren. Und wenn ich die letzten Schritte per PS zu Fuß gehen muss, kein Problem. Funktioniert direkt aus C1 heraus sehr gut, das Resultat wird wieder zurück übergeben.

    Und es bleibt das Problem, dass Langzeitbelichtungen(!) Farben zum Leben erwecken (sichtbar machen), die wir mit unseren Augen in der Nacht einfach nicht sehen können. Wo soll man da ansetzen, wenn z.B. diverse Farbstiche von unterschiedlichen Lichtquellen das Gesamtbild mehr oder weniger in Teilen oder auch im Ganzen beeinflussen? Hier stoßen Sehgewohnheiten einfach an Grenzen ...

    Farben, die wir natürlicherweise nicht wahrnehmen, werden immer problematisch, "unnatürlich" sein. Da gebe ich dir recht.

    Für mich persönlich sind solche Bilder vom Ergebnis her immer "streitbar", weil es falsch bzw. richtig eigentlich nicht gibt, sondern einzig der persönliche Geschmack und Anspruch (z.B. Sehgewohnheiten) des Betrachters darüber bestimmt, ob es gefällt oder nicht. Und das finde ich auch völlig in Ordnung so!

    Volle Zustimmung. Gilt auch für alle anderen Wahrnehmungen. Wer "die Geschichte erzählt", ist Autor, und damit zählt seine Empfindung mehr als alles andere.

  • ernst.w


    Was Capture One m.W.n. (noch?) nicht kann, ist die Verarbeitung von Belichtungsreihen. Genau da punkten Photoshop und Lightroom, weil sie nicht nur die Rohdaten verarbeiten, sondern auch 32bit lineare Tifs direkt verarbeiten können. Für mich seit Jahren ein klarer Pluspunkt, weil dies meinem persönlichen Workflow zuträglich ist. Angesichts immer leistungsfähigerer Kamerasensoren ist das sicherlich ein wenig old-school, aber man darf nicht vergessen: alle meine Bilder entstehen mit der Nikon D300s, einer Kamera, deren Technik von 2007(!) stammt. Viele meiner Motive entstehen zur Dämmerung und bei Nacht, also belichtungstechnisch schon eher eine Herausforderung. Um mit aktuellen Kameras mithalten zu können, muß ich halt andere Wege gehen und mittels vieler Einzelbelichtungen zum Ziel gelangen. Deshalb fotografiere ich auch nicht mit dem Ziel, alles aus einem einzigen Bild per "Super-Software" herausquetschen zu wollen, sondern die Einzelbilder dienen einzig dem Zweck, möglichst sämtliche "Tonwerte" eines Motivs zu erfassen. Keines dieser Einzelbilder für sich allein gesehen ist geeignet, das spätere Bild wie gewünscht darzustellen. Deshalb hat auch die Rohdatenkonvertierung eine entsprechende Zielsetzung, nämlich die Einzelbilder jeweils "perfekt" für die Verwendung in einer Belichtungsreihe vorzubereiten. Da geht es nicht so sehr um perfekte Farben oder Lichtverteilungen. DAS ist die Aufgabe des Tonemapping, erst dort finden einige wichtige Schritte statt und danach folgen weitere in PS, wo ich dann mit jedweder Form von Masken, Ebenenmodi, Farbräumen usw. werkeln kann.

    Auch mit einer aktuellen Kamera würde ich übrigens nicht anders arbeiten ;-)


    Mit Photoshop bin ich seit Version 5 dabei, meine Güte, das ist nun schon über 20 Jahre her und ich verbringe noch immer jeden Tag viel zu viele Stunden damit, naja ... :cheers: :smile:




    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Was Capture One m.W.n. (noch?) nicht kann, ist die Verarbeitung von Belichtungsreihen.

    Ja, das hat was. Ich benötige Belichtungsreihen sehr selten, weil mir der Belichtungsumfang von 14-15 EV üblicherweise reicht.


    Dein Workflow weicht stark von meinem ab. Wahrscheinlich ist dafür Photoshop besser geeignet.

    Mit Photoshop bin ich seit Version 5 dabei, meine Güte, das ist nun schon über 20 Jahre her

    Ja, wie die Zeit vergeht...

  • ernst.w


    Letztendlich sind das alles ja nur verschiedene "Wege nach Rom ...", bei der Präsentation der fertigen Bilder fragt eh kaum einer danach, wie sie entstanden sind, da zählt nur das Ergebnis. Schon bald könnte Smartphone knipsi knipsi weitaus bessere Ergebnisse (technisch) erbringen, als alles, was man derzeit noch mühsam mit schwerem Gerät und RAW Entwicklung produziert. Man gewöhnt sich einfach viel zu schnell an die neuen Möglichkeiten und Neueinsteiger erleben die Technik von Anfang an auf einem Niveau, das wir älteren User uns vor wenigen Jahren kaum haben vorstellen können.


    Irgendwie gefällt mir die Vorstellung, selbst noch Teil des technischen Entstehungsprozesses meiner Bilder zu sein und das Gefühl zu haben, dass das über all die Jahre mühsam angeeignete Knowhow noch gebraucht wird. Einfacher, schneller und bequemer geht inzwischen vieles, aber das ist für mich nicht alles, nicht nur das Ziel interessiert mich, ich möchte auch den Weg dorthin selber gehen. Genau das aber versucht die Technik mehr und mehr dem Fotografen abzunehmen. Ich sehe da nicht nur die Vorteile ...



    Mit liebem Gruß

    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Irgendwie gefällt mir die Vorstellung, selbst noch Teil des technischen Entstehungsprozesses meiner Bilder zu sein und das Gefühl zu haben, dass das über all die Jahre mühsam angeeignete Knowhow noch gebraucht wird.

    Wird es noch, und es wird noch eine ganze zeitlang gebraucht werden, wenn man hohe bis höchste Ansprüche an seine Bilder hat.


    Sobald (falls?) die ganzen schlauen Techniken, Automatiken und Algorithmen aus den Smartphones dann mal in Systemkameras Einzug halten, wird man sich ja immer noch entscheiden können, ob man mit kleinem Aufwand die Automatik nimmt, oder sich in seinem anachronistischen 16-Bit-Tiff(s)-und-viele-Ebenen-Workflow ein Ergebnis ganz nach Individuellen Vorstellungen bastelt. :) Wirklich sauber abgestimmte Highend Fotos sehe ich auf absehbare Zeit noch nicht aus solchen Automatiken kommen. ;)

  • Schon bald könnte Smartphone knipsi knipsi weitaus bessere Ergebnisse (technisch) erbringen, als alles, was man derzeit noch mühsam mit schwerem Gerät und RAW Entwicklung produziert.

    Das halte ich für wenig wahrscheinlich, weil Otto, der so oft zitierte Normalverbraucher, sich bereits so an künstlich geschönte Bilder gewöhnt hat, dass kein Bedarf mehr da ist, im Smartphone mit natürlichem Look, und sei er noch so technisch erzeugt, auszustatten. Das wird uns bleiben. Bei uns, die wir noch mit echten´m Gerät fotografieren und selbst ausarbeiten.

    Irgendwie gefällt mir die Vorstellung, selbst noch Teil des technischen Entstehungsprozesses meiner Bilder zu sein und das Gefühl zu haben, dass das über all die Jahre mühsam angeeignete Knowhow noch gebraucht wird.

    Ich verstehe. Mein Ansatz ist durch meine Bücher (doch ein paar hundert Bilder pro Buch) ein leicht differenter. Auch sind wohl einige meiner Bilder ausstellungsreif, aber andere müssen einfach eine Geschichte erzählen, die mit der Geschichte im Buch zusammenpasst.


    Und da nehme ich dann schon ganz gerne das mühsam erworbene und auch aktuell immer wieder neu zu erwerbende Knowhow zusammen mit den aktuellen Werkzeugen für die Ausarbeitung her. ;)


    Und dann noch ein kleiner Punkt, der bei dir wahrscheinlich keine Rolle spilet: Ich druck Offset, muss daher auch Bilder in einem CMYK-Farbraum entwickeln können. Denn speziell strahlendes Blau und leuchtendes Grün sehen dann gaaanz anders aus als in einem RGB-Farbraum. ;) Es gibt aber nur sehr wenig Software, die das Arrbeiten im jeweils passenden CMYK-Farbraum überhaupt ermöglicht. Und solche Software kann eben auch einiges. Diese Fähigkeiten lasse ich ungern brach liegen, zumal sie meinen Workflow beschleunigen.