Kameraweltmarkt

  • Natürlich wird insgesamt sehr viel weniger geblitzt als früher.

    Fällt mir jetzt erst auf - das kann man so eigentlich nicht stehen lassen.

    Gerade die Strobistenszene, die durch david Hobby begründet und befeuert

    wurde hat dafür gesorgt daß der Blitzmarkt geradezu explodiert ist.


    Funktechnik tat ihr übriges.

  • "Die gelben Balken stehen für die Verkaufszahlen von Kameras, die blaue Linie zeigt den Gewinn, der im Jahr 2020 in den negativen Bereich gerutscht ist."


    Die Beschriftung des Diagramms ist etwas verwirrend. Ich gehe Mal davon aus, dass an der Y Achse links die Stückzahlen und rechts der Gewinn (in welcher Währung auch immer, Euro sind's nicht) angegeben ist.


    Demnach hat Nikon im abgelaufenen Geschäftsjahr rd. 4.200 Kameras abgesetzt. Ist das realistisch?

  • Der zweite Bericht ist wesentlich besser. Vor allem die Erläuterungen, warum ein Wettbewerber unterstützt wird, kann ich bestätigen. Ich kenne das aus diversen Branchen als Ein- und Verkäufer. Man arbeitet durchaus mit- statt gegeneinander, wenn es strategischen Sinn ergibt (wie im Kameramarkt).

  • Vor allem die Erläuterungen, warum ein Wettbewerber unterstützt wird, kann ich bestätigen.

    Ja, nur braucht Nikon meiner Meinung nach weniger eine Finanzspritze, sondern vielmehr eine klare Zukunftsstrategie. Wie man an der Grafik sehr gut sieht, hat Nikon bis einschl. 2019 richtig kräftige Gewinne eingefahren (als einer der ganz wenigen Kamera-Hersteller übrigens). Die Liquidität dürfte nach einem einzigen Verlustjahr also nicht das dringlichste Problem sein, bis 2022 will man außerdem die Kosten um 56% senken.


    Aber wenn sie es nicht hinbekommen, das Ruder strategisch herumzureißen, bringt ja noch so viel Geld nichts. Wie in dem Petapixel-Artikel richtig ausgeführt, hat das schon bei Olympus nicht funktioniert. Trotz der riesigen Hilfen von 2012 ging es weiter siechend bergab und mündete letztlich im Verkauf der Fotosparte.


    Und Nikon fehlt momentan einfach eine klare Strategie:

    • Alte F-Mount Zöpfe wollte man nicht abschneiden und entwickelt parallel zum Z-System noch die D780 und die D6, aktuell scheint auch ein D850-Nachfolger in der Pipeline zu sein. Dass Nikon aber nicht ewig zweigleisig fahren kann, ist auch allen klar, wirklich in den F-Mount investieren will daher trotzdem niemand mehr.
    • Auch das DX-Lager will man mit der Z50 wohl irgendwie bei Laune halten. Aber sie bietet einerseits mangels IBIS keinerlei Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz und das Objektiv-Angebot ist peinlich winzig. Einzig ein lichtschwaches 18-140mm steht momentan auf der Roadmap.
    • Die Z6/7-Kameras werden preislich auf Augenhöhe mit der Sony-Konkurrenz platziert, obwohl sie technologisch und beim Objektiv-Angebot da noch nicht mithalten konnten. Dass sie zwar bei den DSLRs technologisch ganz vorne dabei waren, aber im DSLM-Sektor nun der Underdog waren, der sich erstmal ein Standing erarbeiten musste, hatte Nikon von Anfang an nicht verstanden. Das Ergebnis war letztlich, dass sie quasi zum Ramschpreis und damit wiederum völlig unter Wert abverkauft wurden.
    • Das Objektivangebot für den Z-Mount ist ebenfalls irgendwie grotesk. Zwar kann ich nun zwischen drei(!) 50er-Festbrennweiten wählen, eine besser wie die andere, aber andererseits kein einziges bezahlbares Tele kaufen.

    Das alles wirkt zumindest auf mich so, als habe man sich ziemlich verzettelt, da kommt momentan nichts halbes und nichts ganzes beim Kunden an und die Verunsicherung ist riesig. Ich hoffe, sie finden wieder in die Spur zurück und finden ihren Platz am Markt...

  • Nikon hat jahrzehntelang so viele Altlasten mitgeschleppt daß ihnen das nun auf die Füße fällt.

    und das (neben anderem) wohl noch um einiges heftiger als bislang schon bekannt und befürchtet.


    Grad neulich kam die Meldung, daß sie zum dritten Quartal '21 bis auf eines alle Objektivwerke dichtmachen.

    Zwar als "Gesundschrumpfen" deklariert, aber entsprechendes hörte man auch von anderen bis unmittelbar vor der finalen Implosion...


    Das alles erinnert immer mehr fatal an Commodore.

  • Das muss keine Katastrophe sein. Ein großes statt dreier kleiner Werke

    kann auch effizienter sein. Ohne die Rahmenbedingungen zu kennen

    kann man schwer etwas dazu sagen.


    Das einzige was man sicher sagen kann ist daß eine Flutkatastrophe in

    Thailand oder so was wie der Tsunami damals die Geschichte von Nikon

    mit einem Einzelereignis final beenden könnte.


    Das Risiko ist nicht mehr verteilt, jetzt ist alles auf eine Karte gesetzt.

    Kann gutgehen, muss nicht. Wir werden sehen.


    Ich würde auf keines der beiden möglichen Ergebnisse wetten wollen.

  • Das Schließen von Standorten ist nach meiner Erfahrung nie ein gutes Zeichen. Ich habe leider mehrfach selbst erlebt, dass sowas der Anfang vom Ende war (unter anderem als Praktikant bei KarstadtQuelle, als die ihr Stammhaus in Fürth geschlossen haben). Aber auch ohne meine Erfahrungen würde ich sowas kritisch sehen. Im folgenden kurz ein paar ausgewählte Aspekte - es gäbe sicherlich noch mehr zu berücksichtigen.


    Jede Schließung ist a) mit Abfindungen, Sozialplänen, Ärger mit Mitarbeitern und Gewerkschaften, etc., b) Problemen mit Zulieferern und Lagerkosten (laufende Lieferverträge muss ich auch dann abnehmen, wenn mein Werk zumacht, ergo habe ich am Ende des Tages höhere Lagerkosten durch zuviel Lagerbestand, d.h. ausserdem dass die Liquidität sinkt) sowie c) einem negativen Echo in der Öffentlichkeit verbunden. Erstens wiederum wegen den betroffenen Mitarbeitern (siehe Punkt a) und Zweitens wegen Befürchtungen, dass die Marke keine Zukunft hat und dann das mutmaßlich zukunftssichere System des Wettbewerbers bevorzugt wird.


    Mal ganz abgesehen davon, dass man durch eine Werksschließung Tatsachen schafft. Eine signifikante Erhöhung der Produktion ist danach kaum noch möglich - es sei denn natürlich, man hat vorher himmelschreiend ineffizient produziert, was ich bei Nikon mal ausschließen würde. Wie will ich aber ohne Kapazitäten noch Umsatzwachstum erzielen, das heutzutage so wichtig ist (Sinn oder Unsinn dieser Sichtweise mal außen vor gelassen).

  • Das mit der Risikoverteilung kann auch dumm laufen, or allem wenn es dannausgerechnet den Ausweichstandort trifft.

    Bei Nikon konnten zwar recht kurzfristig von Tsunami/Fukushima-GAU-Folgen betroffene Fertigungen ins Werk in Thailand verlagert werden, aber kaum war das durch, kam dort die Überschwemmung.


    Hatte damals meine knapp 2 Jahre alte D700 in ebay, die ging über Neupreis weg, denn durch den „Doppel-GAU“ gab es bei Nikon plötzlich Lieferzeiten von 3-6 Monaten und länger.

  • Thom Hogan schrieb neulich daß Nikons Ausgaben für Forschung und

    Entwicklung gleich hoch seien wie die von Canon und Nikon (Edith sagt: Sony natürlich).

    Letztere würden aber davon auch noch die Videosparte entwickeln.
    Er rechnet seiner Aussage nach noch mit etwas Dickem, und er sagt

    Nikon habe noch Geldreserven.


    Lassen wir uns überraschen, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

  • Was soll man denn sonst machen, wenn die Verkaufszahlen seit etlichen Jahren so drastisch bergab gehen und man für den Kameramarkt auch mit viel Optimismus keine riesigen Wachstumserwartungen mehr hat, zumindest was die Stückzahlen angeht.


    Natürlich kann ein solcher Schrumpfkurs der Anfang vom Ende sein, aber sich mit solch mauen Aussichten größere Überkapazitäten zu erlauben, beschleunigt diese Ende sicher.


    Sämtliche Kamerahersteller haben den Umstieg vom Hardwarehersteller zum kombinierten Soft- und Hardwarehersteller mehr oder weniger verpasst und sind nun Opfer der nächsten Stufe der Digitalisierung. Und wenn da die nächsten Jahre kein großes Ding mehr kommt, dass die Masse zum eigenen Produkt holt, wird man sich mit der kleinen Nische abfinden müssen, die übrig bleibt.