Abstraktes im Alltag

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    • Abstraktes im Alltag



      Nachdem in einer engagierten Vorab-Diskussion doch die eine oder andere positive Rückmeldung zu der Idee kam, starte ich hier wie versprochen einen Thread zum Thema "Abstraktes im Alltag". Mich persönlich faszinieren gut gesehene "abstrakte" Motive wie z.B. verwitterte Fassaden, Rostflächen, Muster im Sand etc. - wenn sie gut gemacht sind. Leider fehlt mir das Auge für solche Motive, aber ich hoffe, wenn wir unsere Ideen und Erfahrungen hier in einem Thread zusammen legen, könnte das helfen, bei diesem Thema ein wenig besser in die Gänge zu kommen. Die Kunst bei solchen Motiven ist es wohl, sie so zu fotografieren, dass trotz der Banalität des Motivs ein interessantes, ästhetisch ansprechendes Bild entsteht. Und da sind wir sehr weit im subjektiven Bereich vor allem auch der Betrachter. Deshalb bitte ich in diesem Thread um eine intensive Auseinandersetzung mit den Beiträgen: wie wirkt das Bild auf mich, was gefällt, was nicht? Was hätte man evtl. anders machen können (Ausschnitt, Format, Farben, ...) - und warum wäre das "besser"?

      Lasst es uns gleich festhalten: ob einem ein abstraktes Motiv gefällt oder nicht, darüber kann man sich zwar unterhalten und austauschen - aber niemand hat die endgültige Hohheit, es ist und bleibt Geschmacksache. Wir können uns gegenseitig Feedback über unsere Eindrücke geben, ein Wertung als "gut" oder "schlecht" wird dagegen schwierig bis unmöglich sein.

      Ein paar Spielregeln zum Start:

      - Erwünscht sind Fotos, bei denen es nicht um den abgebildeten Gegenstand geht, sondern um das Spiel von Formen und Farben auf einer Fläche. Spannung, Gleichgewicht, Rhythmus, Farbklänge, Linien und Flächen im Bezug zueinander - das sind die Elemente, um die es geht.

      - Wer hier mitmacht, sollte einverstanden sein, dass die anderen sich aktiv mit dem Bild auseinander setzen, einschl. Vorschläge von Variationen. Dabei wahren wir aber selbstverständlich die Urheberrechte des Eigentümers des "Originals".

      - Darf man noch erkennen, was da eigentlich abgebildet ist? Ja, natürlich! Das hier ist kein Rätselthread nach dem Motto "Was ist das? Ratet mal!". Ein Hinweis auf die zugrunde liegende Substanz im Titel oder Kommentar ist sogar im Regelfall erwünscht - denn wir wollen uns ja gegenseitig anregen und ermuntern, es auch mal zu probieren, die Augen offen zu halten.

      - Sind z.B. ein Haufen Knöpfe ein abstraktes Motiv i.S.d. Threads? Nun, nicht per se - wer nur die Vielfalt von Knöpfen darstellen möchte, ist noch nicht im Bereich des Abstrakten. Aber wenn die Knöpfe so aufgenommen werden, dass ein Spiel zwischen Farben und Formen, eine Spannung oder Rhythmus aus der Anordnung der Knöpfe zueinander entsteht, dann wäre das im Sinne des Threads.

      - S/W: selbstverständlich als Variante und zusätzliche Abstraktion (von der Farbe nämlich) willkommen, aber keine Pflicht.

      - Rahmen können bei abstrakten Bildern ein wichtiger Teil der Gesamtkomposition sein. Also traut Euch auch hiermit zu experimentieren. Allerdings: nur ein dicker weißer Rahmen allein macht weder ein abstraktes noch ein gutes Foto!

      - Bitte abgrenzen vom Thema Minimalismus: eine einzelne Boje in einer riesigen Wasserfläche ist vielleicht minimalistisch - aber nicht notwendigerweise abstrakt. Aber die Abgrenzung zwischen den beiden Themenbereichen wird wohl manchmal in Grauzonen liegen - das macht nichts.

      - Ich schlage vor, dass wir auf Serien bewusst verzichten, dafür aber Collagen ebenso bewusst als Stilmittel mit aufnehmen. Zwei, drei oder vier Bilder in einer bewusst gestalteten Anordnung zueinander können sehr spannend sein - aber hochgeladen wird dann EIN Bild, ein Gesamtwerk sozusagen.

      - Varianten vom gleichen Thema? Lasst uns grundsätzlich versuchen, tatsächlich mit einem Bild (oder einer Collage) ins Rennen zu gehen, und weitere Varianten z.B. aus der Diskussion heraus zu entwickeln. Aber diese Regel müssen wir nicht stur sehen: wenn jemand z.B. vom gleichen Thema zwei oder drei Varianten hat und eine Diskussion auch über die beste Variante wünscht, dann kann man ruhig auch 2-3 Bilder in den Startbeitrag einstellen. Mehr würde ich nicht empfehlen, denn dann zerfasert die Diskussion doch sehr - oder endet in lapidaren: "#2 ist am besten" Kommentaren.

      - Bitte keine Fotografien von abstrakten Kunstwerken anderer Künstler; das ist hier nicht gemeint.


      Es ist nicht einfach, das Thema sauber abzugrenzen. Diese Regeln sind ein Versuch. Lasst uns damit anfangen, dann sehen wir ja, wohin sich das Thema entwickelt.

      (Ich stell in den nächsten Tagen einige wenige Bespiele aus meinem Fundus hier in den Startbeitrag - heute ist es mir zu spät. Viel habe ich leider nicht anzubieten - der Thread lebt von Euren Beiträgen - oder eben auch nicht ...).

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Subjektiv () aus folgendem Grund: Tippfehler bereinigt

    • Das finde ich sehr spannend, allein der Mangel an solchen Aufnahmen läßt mich noch warten. Dein Foto oben kommt mir auch bekannt vor, bzw. glaube ich es schon einmal gesehen zu haben.

      Kannst Du beschreiben, was das ist (ich habe es doch nicht etwa überlesen)?
      Gruß aus Berlin
      Thomas

      NEU: Eisspeedway hier:

      OM-D E-M5 Mk II + E-PL 5; 12-40/2,8; 14-42; 8/3,5 FT; 20/1,7; 25/1,7; 45/1,8
      und
      Sony Alpha a7; 28-70; 70-300; 50/2,8 Macro
    • Die Einschränkungen hinsichtlich Serien sehe ich kritisch ansonsten hast Du das toll vorbereitet, danke! Serien finde ich deshalb richtig, weil gerade Abstrakte Bildee oft in der Form von Serien entstehen: man befasst sich mit dem Thema und 'geht jagen'...

      Ein Bild aus meiner aktuellsten abstrakten Serie werfe ich gleich mal ins Rennen, davon gibt es noch mehr auf...

      ...flic.kr/p/BY9zx2

      www.stefansenf.de
      Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
      Ricoh Theta V | Pentax KP, 10-17, 18-300, 15, 21, 35, 55, 70 und Lensbaby | Samsung NX1000 und NX300 mit 16, 16-50, 20-50 und Altglas
    • Bonobo schrieb:

      Kannst Du beschreiben, was das ist (ich habe es doch nicht etwa überlesen)?
      Sorry, ja. Habe das Foto sozusagen nur als "Titelbild" verwendet und deshalb die Beschreibung vergessen. Da handelt es sich um einen von der Sonne beleuchteten Holzklotz und ein Stück Himmel, beides durch eine Riffelglas-Scheibe (unser Bad) gesehen. Ich hatte ein ähnliches Bild aus der Serie schon mal zur Schau gestellt, aber nicht dieses. Wie gesagt, so irre gefüllt ist mein Fundus für dieses Thema leider noch(?) nicht.


      le spationaute schrieb:

      Die Einschränkungen hinsichtlich Serien sehe ich kritisch
      Na ja, deshalb habe ich die Regel ja auch gleich wieder aufgeweicht ;-) . Wenn Du 2-3 Bilder in Serie hochladen möchtest, dann nur zu. Wollte nur verhindern, dass hier ganze Folianten der gleichen alten Mauer etc. ausgewalzt werden. Und bitte auch an die Möglichkeit einer Collage denken (die kann auch 5 Bilder untereinander enthalten). Ist ein Stück mehr Arbeit, ich weiß - aber ich finde bei solchen Motiven die Anordnung der Bilder zueinander einfach wichtig, und die Foren-Software gibt hier nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten her. (Z.B. funktioniert die Absatztaste zwischen Bildern nicht immer, die wird von der Software einfach ignoriert. Dann braucht man schon wieder einen grauen Punkt ".", um einen Abstand herzustellen.)

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    • le spationaute schrieb:

      Ein Bild aus meiner aktuellsten abstrakten Serie werfe ich gleich mal ins Rennen
      Gefällt mir gut, und aus der Serie, die Du bei Flickr zeigst, mit am besten. Ich mag den Farbklang "Gelb - Violett" (ohnehin, und auch bei Blümchenfotos) und finde das Spiel zwischen dem rechtwinkligen Muster und der einen Diagonalen spannend. Über die beiden Löcher oben links kann man vielleicht geteilter Meinung sein: das Salz in der Suppe, oder einfach ablenkend. Ich tendiere zu 51:49 zu ablenkend, aber das kann heute Abend schon wieder anders sein.
    • Mein Résumé des Themas: "Gegenstandlose fotografische Gestaltung als Selbstzweck". Ist das richtig? Kann man das so sagen?
      Alle "Gestaltungsmittel" (also auch EBV, Objektivvorsätze usw) sind "erlaubt"? Für mich ist das ein seltenes, reines Experimentierfeld, zu Schulungszwecken sicher gut geeignet.



      P.S.: Das Eingangsbild ist das Strukturglas "Chinchilla", das mich auch schon ab und an zu Spielereien verleitet hat...
      lg, Achim

      (Von mir eingestellte Bilder dürfen grundsätzlich bearbeitet und bei DFT gezeigt werden.)
    • 11er schrieb:

      Leider stehe ich aber mit solchen Themen eher auf Kriegsfuss
      Also, dafür ist das aber ein sensationeller Eröffnungszug! Super gesehen und gestaltet. Ob es noch wirkkungsvoller ware, wenn man den Tiefblick exakt horizontal ausrichtet? Andererseits kippen dann die Treppenstufen aus der Vertikalen - weiß auch nicht. Wäre mal interessant im Vergleich. Bin gespannt, ob wir von Dir noch weitere Kriegsfuß-Kostproben zu sehen bekommen.
    • aeirich schrieb:

      Alle "Gestaltungsmittel" (also auch EBV, Objektivvorsätze usw) sind "erlaubt"?
      Ich schlage vor, dass wir uns nicht gleich zu Beginn unnötig einschränken. Also ja, alles erlaubt. Wenn wir sehen, dass das nur noch zu wilden Verzerrungen mit EBV Filtern führt - die würde ich eher im EBV-Experimentier-Thread sehen. Dann könnte man evtl. über die Regelungen gegensteuern. Aber wo will man die Grenze ziehen? Eine komplett unscharf aufgenommene Blumenwiese könnte ein Thema für diesen Thread sein, die gleiche Wiese durch einen Gaußschen Verzerrungsfilter gedreht, dagegen nicht? Weiß nicht ... Lass erst mal sehen, was so an kreativen Ideen kommt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Subjektiv ()

    • Vielleicht doch noch mal eine Verständnisfrage: Wenn ich mir das Bild von Dieter (11er) anschaue, sehe ich im Grunde auf den ersten Blick, dass es sich um eine Treppe mit Geländer handelt. Die Treppe wird allerdings auf Linien und Räumlichkeit begrenzt. Bei deinem Bild erkenne ich nur Formen und Farben (gut, ich kannte ja das Strukturglas.. ;-) ), und sonst nichts, wie auch bei dem Bild von Stefan. Bei Uli "Romerike Berge" erkennt man das Schloss, aber nur beim dritten Hinsehen.

      Wie gegenstandslos soll/muss "abstrakt" sein? Könnte man ein Bild wie das von Dieter auch "Minimalistisch" oder "Architekturaufnahme" bezeichnen? Ist da mehr "Abstrakt" oder mehr "Architektur" drin? Wieviel Architektur o.a. darf in Abstrakt "drin" sein? - Ähnliche "Genrediskussionen" hatten wir z.B. bei dem "Streetthread" auch und gehören mMn auch hierher.
      lg, Achim

      (Von mir eingestellte Bilder dürfen grundsätzlich bearbeitet und bei DFT gezeigt werden.)

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    • aeirich schrieb:

      Wie gegenstandslos soll/muss "abstrakt" sein? Könnte man ein Bild wie das von Dieter auch "Minimalistisch" oder "Architekturaufnahme" bezeichnen?
      Ich beziehe mich mal auf meinen Versuch, Regeln aufzustellen (die aber nicht in Beton gegossen sind): Bei dem Bild von 11-er steht m.E. nicht das Motiv einer Treppe im Vordergrund, sondern die Wirkung der Linien und Proportionen. Dass man noch erkennen kann, was das war, finde ich der Sache nicht abträglich. Deshalb ja auch der Titel "Abstraktes im Alltag".

      Wenn man streng nach Lehrbuch geht und den Begriff "abstrakt" im Sinne einer klassischen Definition anwendet, dann ist ein gegenständliches Motiv nicht erkennbar. Ich meine aber, wir sollten uns im Umfeld der Fotografie - wo es ja anders als bei einem gemalten Bild immer um die Abbildung real vorhandener Objekte geht - von dieser enger Definition lösen und uns das Spielfeld größer abstecken. Ich gehe also bewusst über den engeren Begriff des Abstrakten hinaus.

      Und ja, gerade zu "Minimalismus" wird es m.E. Überlappungen geben - so what? Mir geht es hier um die Wirkung von Formen und Farben, von Linien und Strukturen. Ob dabei die Betonfassade eines Parkhauses zugrunde liegt oder eine Handvoll Salzstangen, finde ich weniger wichtig.

      Ich habe nichts gegen solche theoretischen Erörterungen im Rahmen dieses Threads. Aber lass uns über diesem Dialog nicht die Fotos und die Lust am Experimentieren vergessen. Wir schreiben hier kein Lexikon, und es darf / soll mit dem Thema frei und kreativ gespielt werden. :winke:
    • Es zeigt allerdings angesichts der Offensichtlichkeit, was abgebildet ist, wie schwer die Abgrenzung zum Minimalismus ist. Für mich ist das Bild vorrangig Minimal.
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    • le spationaute schrieb:

      Es zeigt allerdings angesichts der Offensichtlichkeit, was abgebildet ist, wie schwer die Abgrenzung zum Minimalismus ist.
      Das ist richtig, aber gilt das nicht für die meisten der bisher gezeigten Motive? Auch eine verwitterte Mauer oder eine verrostete Metallfläche sind auf Anhieb als solche zu erkennen. Wie gesagt, als Fotografen können wir ja nur Dinge ablichten, die es als Objekt tatsächlich gibt. Ein Maler hat es da einfacher: der kann irgendwelche Farbkleckse irgendwo auf eine Leinwand malen.

      Doch ich überlege, ob ich den Titel des Threads modifiziere auf "Abstraktion im Alltag". Mir geht es hier ja um Bilder, bei denen abstrakte Gestaltungselemente im Vordergrund stehen, aber bis auf extreme Filter oder Unschärfe scheint es mir fast unausweichlich, dass man das zugrunde liegende Objekt noch erkennen kann. In anderen Worten: es geht um den Schritt von der Ablichtung eines bestimmten Objekts hin zu einer Abstraktion, also einem Herausarbeiten und einer Betonung der eingangs erwähnten Strukturelemente.

      Ob es dabei Überschneidungen zum Minimalismus oder auch anderen Genres gibt, finde ich offen gestanden nicht so wichtig. Es geht mir nicht um eine präzise Definition des Abstrakten, sondern um einen Ausschnitt aus den Möglichkeiten der Fotografie, um das "Sehen" und Gestalten solcher Motive.

      Wäre "Abstraktion" klarer oder zumindest widerspruchsfreier?
    • Mein Beitrag zum Thema abstrakt (es gibt noch einige) - hier steht überwiegend der Farbkontrast im Mittelpunkt der Betrachtung - losgelöst von der ursprünglichen Gegenständlichkeit...Formen, Flächen und Strukturen sind zwar erkennbar, können aber meiner Meinung nach nicht sofort zugeordnet werden, Hoffe, das passt...
    • Subjektiv schrieb:

      Auch eine verwitterte Mauer oder eine verrostete Metallfläche sind auf Anhieb als solche zu erkennen.
      Zu erkennen ist dann ggf. nur die "Materialbeschaffenheit", aber kein Gegenstand...

      Subjektiv schrieb:

      Ein Maler hat es da einfacher: der kann irgendwelche Farbkleckse irgendwo auf eine Leinwand malen...
      Das kann man doch mit fotographischen Mittel auch machen, wie doch einige der Bilder hier schon sehr gut zeigen. Ich glaube aber schon verstanden zu haben, dass du mehr "Abstraktion" möchtest...

      Wenn man das dann zu Ende denkt: "passt" das hier oder "passt es nicht"? Oder ist das dann "too much", da völlig abstrahiert?
      lg, Achim

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