Bild oder Fotografie?

  • Bei einem der zahlreichen Fotowettbewerbe wurden Bilder eingereicht, die sowohl reine Fotografien waren als auch mehr oder weniger stark bearbeitete Fotos, die man vielleicht eher als Bilder bezeichnen könnte. Bei den Kritiken ist dann sowohl Begeisterung als auch Unmut zu finden, soweit nichts Ungewöhnliches, aber ein ganz besonderer Kritikpunkt richtet sich an die Frage: ist ein Fotowettbewerb nicht dazu da, Fotos zu zeigen und zu bewerten? Ist es verwerflich, bearbeitete Bilder (inklusive Multishot Varianten) zu präsentieren, die keine reine Fotografie mehr sind? Kurz gesagt: wieviel Bildbearbeitung kann/darf/soll/muß man Fotografien heutzutage zugestehen, sind reine "ooc" Fotos etwa eine ganz eigene Kategorie geworden, die sich durch das Attribut "nicht bearbeitet" auszeichnen (obwohl auch diese Fotos ja kameraintern "bearbeitet" und oftmals auch von optischen Fehlern korrigiert ausgegeben werden)?


    Ein Thema, das bei Fotowettbewerben immer häufiger und oftmals sehr kontrovers diskutiert wird, das aber m.M.n. keineswegs nur Fotowettbewerbe betrifft. Früher hieß es gerne mal: "nur das Ergebnis zählt". Mir scheint es, dass diese Ansicht sich gewandelt haben könnte ...



    Wie denkt Ihr darüber, wo hört Fotografie auf, wo fängt Bildbearbeitung an, wo seht Ihr persönlich die Grenzen und vor allem warum?




    Liebe Grüße
    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Na da hast Du ja ein Thema aufgemacht Frank :pink:


    Ich habe keine zielführende Antwort darauf.
    Aber ich denke daß es allgemein keine Grenzen in der Bearbeitung gibt, die sich so klar umreissen
    liessen.
    Auch die Unterscheidung der Begriffe Bild und Foto hilft hier nicht weiter. Das Eine ist das Verfahren,
    das Andere das regelmäßige Ergebnis.


    Ich persönlich bevorzuge Bilder, denen man nicht auf den ersten Blick ansieht daß etwas dran gemacht
    wurde. Oft kann trotzdem viel Aufwand und Bearbeitung dahinterstecken.
    oocamera, oosensor, oocomputer... darauf gebe ich nicht viel.


    Also wenn so ein Wettbewerb keine engeren Regeln beinhaltet meine ich daß erlaubt ist was gefällt.

  • ich, für mich, strebe gute Bilder/Fotos aus der Kamera an, weil die Kameras von heute die Einstellmöglichkeiten dafür haben. Deshalb muss man sich intensiv mit den Eigenschaften seiner Kameras beschäftigen. Oberflächlichkeit ist hier fehl am Platze. Künstlerische Fotografie ist ein ganz anderes Gebiet und ohne EBV nicht machbar.
    So spare ich viel Zeit bei der Bildkorrektur und habe sie mehr für andere Dinge. Zu weit will ich auch die Arbeit am PC nicht ausdehnen, da die Fotomotive nicht an den Rechner kommen.


    Gruß Martin

  • Ein paar lose Gedanken:


    Thema Bild, Fotografie, nicht Fotografie:


    Den genauen Punkt, ab dem ein Foto kein Foto mehr ist, gibt es nicht. Ich sehe da nicht nur weiß und schwarz, sondern einen weichen Übergang, also ganz viele Graustufen, dazwischen.


    Unterscheiden sollte man auch, ob man das Handwerkliche betrachten möchte, also ob verwendeten Mittel/Methoden geht (Bildbearbeitung, Montage, Doppelbelichtung, Rahmen...), oder ob es mehr darum geht, ob die Bildaussage noch der Realität entspricht.


    Ein Beispiel:


    Bei diesem Bild (links Original, rechts bearbeitet) hier habe ich einen Stein im Vordergrund letztlich zu mittig ins Bild gesetzt - er gefiel mir weiter links im Nachhinein besser. Das ist jetzt natürlich ein starker Eingriff in das Bild, einfach ein Bildelement verschieben. Auf die Aussage des Bildes hat das aber keinen Einfluss, das Bild zeigt immer noch die gleiche Festung, bei gleicher Stimmung.
    Auch wenn ich den Stein aus einem anderen Bild genommen, um ein Element im Vordergrund zu bekommen, hätte das für mich nicht viel geändert. Wenn ich aber z.b. die Burg in eine eigentlich leere irische Landschaft gesetzt hätte, wäre die Bildaussage eine ganz andere, obwohl die verwendete Technik die gleiche ist. Man hätte ein Bild geschaffen, das man so nicht fotografieren kann - was aber nicht notwendigerweise erkennbar ist. Ist etwas ein Foto, was wie ein Foto aussieht?



    Andererseits kann man auch ohne drastische Maßnahmen wie Montagen Bilder stark verändern - zweites Beispiel:

    Links oben das BIld aus der Kamera - mir zu düster, so schwarz habe ich die Landschaft nicht in Erinnerung gehabt. Rechts oben ein bearbeitetes, aufgehelltes Bild. Dadurch aber vielleicht sogar näher an der Realität? Rechts unten dann noch eine stärker bearbeitete Variante, heller, blendender, verträumter... Sicher etwas von der Realität weg. Ist das jetzt noch ein Foto oder schon mehrheitlich ein reines digitales Bildbearbeitungswerk?




    Ganz abgesehen davon ist es aber auch ganz ohne Bearbeitung, nur mit der Kamera, möglich, Bilder zu erzeugen, die unnatürlich aussehen.


    Beispiel 3:



    Dass dieses Bild etwas arg bunt geraten ist und so viellecht nicht sehr natürlich aussieht, würden bestimmt viele Betrachter sagen - in der Tat kam es aber so aus der Kamera. Da war das Gegenlicht für die automatische, interne Bildverarbeitung etwas zu viel. Ist da sjetzt ein Fotografie? Natürlicher als die bearbeiteten Bilder oben sieht es für mich (subjektiv) jetzt nicht aus.



    Thema Fotowettbewerb:
    Wofür ein Fotowettbewerb da ist und welche Art von Bildern eingereicht werden sollen und nach welchen Kriterien die Bilder dann prämiert werden, sollte derjenige festlegen, der den Wettbewerb abhält. Welche Mittel sind zulässig, was für Bilfder dürfen eingereicht werden? Soll besonders geschickter Umgang mit der Kamera ausgezeichnet werden? Das Motiv? Die Bildaussage? Die Bearbeitung? Das Gesamtergebnis?


    Beispiel 4:


    Zu Anfangszeiten des Forums gab es hier auch mal einen monatlichen, Fotowettbewerb, bei man recht frei ein Thema umsetzen konnte, das muss 2011 gewesen sein (die Threads haben den Umzug von Galerie auf Forum nicht überlebt). In Folge kam diese Diskussion auch sehr relegelmäßig auf. Ein Monatsthema war z.b. damals, ein Bild mit Hühnereiern zu machen, worauf ich eine kleine Montage gemacht habe - einigen Kritikern hat das Bild gefallen, andere haben es komplett abgelegt, weil das ja keine Fotografie mehr sei und deshalb nicht in einem Wettbewerb eines Fotoforums passen würde:



    Dieses Bild ist jetzt aus 7 oder 8 Fotos entstanden und sehr stark bearbeitet. Die Szene ist rein fiktiv, was klar erkenntlich ist. Es mit "normalen" Fotografien zu vergleichen ist natürlich schwierig. Andererseits sind auch Fotografien nicht unbedingt einfacher zu vergleichen?

  • Ich finde daß die Wenigsten wirklich mit EBV umgehen können.
    Das ist natürlich total subjektiv.


    Aber gerade deswegen bin ich für kreative Freiheit.
    Allerdings muß man auch einstecken können.


    Zu den Beispielen @Flash - schön daß Du Dir die Mühe gemacht hast mal ein paar Sachen zu illustrieren :)


    Auf Anhieb gefallen mir jeweils die unbearbeiteten Bilder besser. Das ist aber relativ.
    Erst mit der Intention des Fotografen wird ein Foto zum Bild. Dann ist es völlig unerheblich ob es vielleicht
    noch andere Varianten gibt die anders wirken und andere Sinne oder Personen ansprechen.


    Ich versuche mich festzulegen wenn ich ein Bild gemacht habe. Und das ist es dann.
    Ein Bild. Ob das jetzt Stunden an Bearbeitung gekostet hat oder gerade so aus der Kamera kam ist wurscht.
    Es funktioniert - oder nicht ;)

  • Also ich mache eigentlich wenig mit meinen Aufnahmen. Ich schicke sie durch DxO, aber nur um die Objektivfehler (z.B. durchhängende Linien) zu korrigieren. Danach stempel ich ab und zu mal Dreck und Müll aus den Aufnahmen, aber im großen und ganzen zeige ich meine Bilder verhältnismäßig so, wie sie erzeugt wurden.


    Was mir persönlich überhaupt nicht gefällt, sind diese Superphotoshop-Bilder. Das hat in meinem Verständnis nichts mit Fotografie im direkten Sinne zu tun, sodern geht schon eher in Richtung Kunst.


    So ein kleiner Kunstgriff, wie der verlagerte Stein oben, ist schon OK, da man das nicht erkennen kann, wenn man nicht dabei war. Die Aufnahme sieht so aus, dass man das glauben kann, was man sieht. Für meinen Geschmack sind Änderungen am Foto OK, solange sie ein "glaubhaftes" Gesamtbild ergeben. Wenn aber deutlich wird, dass da was hin und her kopiert oder ausgetauscht wurde, ist das für mich kein Foto mehr.

  • Ich baue gerade ein Urlaubs ich aus 3 Wochen USA. Die rund 30 Bilder pro Tag sind alle nachbearbeitet. Alle. Ich fände es ja durchaus erstrebenswert, fertige Bilder aus der Kamera zu bekommen, ich glaube daran aber momentan nicht. Ein Bild ist erst fertig, wenn es auf Papier ist.

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  • Entweder habe ich die Frage nicht verstanden oder bin ich mit der Frage irgendwie... hmm... nicht einverstanden.


    wieviel Bildbearbeitung kann/darf/soll/muß man Fotografien heutzutage zugestehen

    MMn, heutzutage wie auch damals, soviel, wieviel es in den Regeln des Fotowettbewerbs steht.


    nichts mit Fotografie im direkten Sinne zu tun, sodern geht schon eher in Richtung Kunst.

    oder ob es mehr darum geht, ob die Bildaussage noch der Realität entspricht.


    Also waren Picasso, Dalí und Miró keine Zeichner und Maler, weil ihre Bilder nicht der Realität entsprachen? Dann waren die Brüder Grimm aus dem gleichem Grund auch keine Erzähler...?



    Und was die Fotowettbewerbe betrifft, das ist eine ewige Diskussion seitdem es Fotoklubs und Wettbewerbe gibt. Ich formuliere das ein bisschen böse: könnte es sein, dass, wenn es "Unmut" gibt, manche, die nicht fotoshoppen können, neidisch sind, weil sie das nicht können und manche, die fotoshoppen, auch neidisch sind, weil sie es nötig haben - weil sie nicht in der Lage sind, etwas Gescheites aus der Knipse direkt zu bekommen?

  • Ein Foto gibt für mich das wieder, was ich bei seiner Aufnahme gesucht, gesehen und empfunden habe. Es erzählt immer auch von mir. Dazu gehört es - nach den Entscheidungen, die schon vor Ort fallen müssen (Bildausschnitt, Schärfepunkt und - verlauf, Umgang mit Bewegung im Motiv, Moment der Aufnahme) - das Bild in der Nachbearbeitung so auszugestalten, dass es das für mich Wichtige betont und das für mich Nebensächliche herunterspielt. Wenn es den Betrachter an die Hand nimmt und ihm zeigt, wie ich eine Situation oder einen Ort erlebt habe, dann ist es gut. Das läuft nicht notwendigerweise darauf hinaus, dass jedes Bild gestaltend nachbearbeitet wird. Nicht umsonst sind 'authentische' Looks (Filmpresets) so beliebt. Auch das sind aber Aussagen von mir, die ich einem Bild hinzufüge!


    Ein Foto ist kein Laplace'scher Dämon. Ich bin da, um es zu finden und aufzunehmen. Meine Gegenwart hat Einfluss auf das Bild. Wäre ich nicht dort, gäbe es vielleicht die Situation (bei Landschaften/ Architektur: ja, bei Bildern mit Menschen oder Tieren: nein), es gäbe aber kein Bild! Das klingt profan, ist aber wichtig.


    Das Bild entsteht - bewusst oder unbewusst - zuerst in meinem Kopf. Vielleicht erst unmittelbar vor der Aufnahme, aber immerhin. Das Bild in meinem Kopf lässt mich den Auslöser drücken. Die Nachbearbeitung ist ein Teil des Weges, dieses Bild aus meinem Kopf auf Papier zu bringen. Und fertig ist es erst, wenn man es in die Hand nehmen kann.


    Wettbewerbe, die das Instrumentarium hier willkürlich bescheiden, empfinde ich als eher 'sportlich' ausgerichtet. Da geht es nicht um das beste erreichbare Bild sondern darum, in einer bestimmten Disziplin einen Sieger auszumachen. Zum Beispiel in der Sportart: 'unveränderte jpg-Files aus einer Digitalkamera zum Thema Tiere im Zoo fotografieren'. Das kann man ja so machen, mein Interesse daran ist aber gering.

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  • Also waren Picasso, Dalí und Miró keine Zeichner und Maler, weil ihre Bilder nicht der Realität entsprachen? Dann waren die Brüder Grimm aus dem gleichem Grund auch keine Erzähler...?

    Da hast du mich anders verstanden, als ich das gemeint hatte. Ich wollte unterscheiden zwischen:

    • Fotografen, die Montagen oder andere starke Bearbeitungen prinzipiell ablehnen
    • Fotografen, die Montagen oder andere starke Bearbeitungen ablehnen, wenn dadurch Bildaussage/-inhalt gegenüber dem, was auf dem ursprünglichen Bild war, wesentlich verändert wird (z.B. störenden Mülleimer aus dem Standfoto herausretouchieren ok, romantischen Leuchtturm hineinmontieren nicht ok)
    • Fotografen, denen jedes Bearbeitungsmittel recht ist, wenn sie dadurch ein gutes Ergebnis erzielen


    Natürlich spielt auch der Verwendungszweck des Bildes eine Rolle - am Beispiel des Strandfotos:

    • Alles tolles Bild für die Wand taugt für mich auch eine Montage eines Strandes, den es so nicht gibt. Ziel ist hier ein ansprechendes/ausdruckstarkes/... Bild, keine (foto-)realisitische Wiedergabe. Da ordne ich auch Picasso, Dali und Co ein.
    • Als Reiseerinnerung taugt der wesentlich veränderte Fantasiestrand mit eingesetztem Leuchtturm nicht mehr. Bilder so zu verändern, dass sie meiner Wahrnehmung/Erinnerung näher kommen passt für mich aber (also einen Mülleimer zu entfernen, den ich vor Ort nicht wahrgenommen habe oder einen Sonnenuntergang aufzupolieren, den ich dramatischer/farbenprächtiger in Erinnerung habe, als er letztendlich auf dem Sensor gelandet ist).
    • Wenn die reine, nüchterne Dokumentation im Vordergrund steht, fände ich auch kleine Schönheitsretuschen unpassend - also wenn am einsamen Traumstrand im Katalog des Reiseanbieters dann plötzlich überall Mülleimer und Steine sind.
  • Man kann sagen, jedes Bild ist bearbeitet, entweder vom Raw-Converter oder von der Kamerasoftware vorher. Das sehe ich auch so, weshalb ich ooc auch nicht für besser oder schlechter als Bilder halte, welche durch Lightroom gegangen sind. Ich unterscheide bei der Bearbeitung aber zwischen Filtern, welche gleichmäßig auf das gesamte Bild angewendet werden (insbesonere Gradation und Sättigung) und welche, die selektiv auf Bereiche angewendet werden.
    Die Bearbeitung nach der Methode 1 ist für mich für Reportagefotografie zulässig, die Methode 2 für "Kunstfotos". Natürlich ist diese Unterscheidung auch nicht ganz wasserfest aber doch einigermaßen tauglich. Von mir aus kann jeder so viel bearbeiten, wie er will, ob es mir gefällt hängt immer vom speziellen Bild ab. Es gibt jedoch eine Ausnahme, so lehne ich die Bearbeitung nach Methode 2 für Reportagefotos komplett ab. Wenn Fotos von Kriegsschauplätzen wie übertriebene HDR-Aufnahmen aussehen, wird mir schlecht.

  • HDR würde man aber auf das gesamte Bild anwenden. In sofern greift Deine Abgrenzung nicht. In der Tageszeitung sehe ich kein Bild mehr, dass nicht durch ein Tonemapping gelaufen wäre. Das ist auch OK. Es gleicht die Schwächen des Drucks aus.

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  • HDR würde man aber auf das gesamte Bild anwenden. In sofern greift Deine Abgrenzung nicht. In der Tageszeitung sehe ich kein Bild mehr, dass nicht durch ein Tonemapping gelaufen wäre. Das ist auch OK. Es gleicht die Schwächen des Drucks aus.


    HDR ist eine Bearbeitung, bei der selektiv Bereiche des Bildes verändert werden, auch wenn das für den Anwender im Workflow vielleicht nicht erkennbar ist, da er nur an einem Regler dreht. Es fällt für mich trotzdem in die Kategorie 2.

  • Axel: „Na da hast Du ja ein Thema aufgemacht Frank :pink:


    Ein Thema, welches mich schon seit Jahrzehnten beschäftigt.


    Duranbah: „Schön ist was gefällt, egal ob bearbeitet oder nicht.
    Meine bescheidene Meinung.“


    Deiner „bescheidenen Meinung“ war ich schon anno 1969* – und hänge ihr heute noch an!


    Damals war ich als Jugendlicher der Gehilfe im Photolabor eines Photoreporters, der mir seine unterschiedlich entwickelten Photographien zur Begutachtung vorlegte, um mein ‚Urteil‘ zu erfahren. – Diese erschienen mir heller, dunkler, weicher, gröber, klarer oder verschwommener.

  • Bei "schön ist, was gefällt", hätte man das ganze Thema sein lassen können. Wie so vieles in Foren besprochenes ebenso.


    Ich denke es geht noch nicht mal um das, was Flash beschreibt. Abgesehen von der Montage sind das alles aus meiner Sicht noch halbwegs moderate Eingriffe.


    Ich könnte mir vorstellen, dass um diese allzu moderne Photoshop Dramatik geht, bei der relativ triviale Aufnahmen dramatisiert werden. So entstehen dann zum Beispiel Landschaftsaufnahmen mit den immer gleiches Looks, wo Farben und Kontraste auf immer wieder ähnliche Art und Weise überdreht werden und für mich nach dem dritten Bild ermüdend sind.


    Die sind mir bei den letzten Wettbewerben, die ich mir angeschaut habe, immer wieder störend ins Auge gefallen.


    Aber vielleicht konkretisiert der TE nochmal, was er meint.

  • HDR ist eine Bearbeitung, bei der selektiv Bereiche des Bildes verändert werden, auch wenn das für den Anwender im Workflow vielleicht nicht erkennbar ist, da er nur an einem Regler dreht. Es fällt für mich trotzdem in die Kategorie 2.

    Jedes Nachbelichten und Abwedeln, jeder Eingriff in die Kurve, jede Korrektur von Lichtern, Schatten, Weiß- und Schwarzwert, jede Kontrastkorrektur, Klarheit, alles wirkt selektiv auf Bereiche des Bildes. Das ist für mich (sic!) kein Maßstab und keine praxisgerechte Schwelle (bezogen auf die Presse wo - wie gesagt - sowieso die Druckvorstufe noch mit einem Tonemapping eingreift). Meine Kamera packt anständige HDRs mit einem Klick direkt als jpg auf die Karte.


    Ich mache es mir da einfacher: Was man mit normalem Aufwand in Lightroom hinbekommt ist noch OK. Ob es dann auch gut ist, steht auf einem anderen Blatt. Wenn man Photoshop braucht (Composing, Retusche, Verflüssigen usw.) sind wir eine Liga weiter. Da verlassen wir die Dokumentation und bewegen uns tiefer ins freie Schaffen.

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  • Vielen Dank für alle bisherigen Beiträge, ganz besonders auch an @Flash für die tollen Bildbeispiele! :daumenhoch:


    BTW: Ich will das Thema jetzt gar nicht explizit an Fotowettbewerbe knüpfen, allerdings wird man dort noch am ehesten damit konfrontiert.




    "Schön ist, was gefällt" ist eigentlich nicht das Thema, ich frage mich einfach, warum es für manche Menschen von Bedeutung ist, ob es sich bei einem Bild um ein reines Foto oder um ein Bild im Sinne von "mehr oder weniger stark bearbeitet" handelt. Warum ist das überhaupt ein Thema und wenn es ein Thema ist, was trennt dann ein "gutes" unbearbeitetes Foto von einem "guten" bearbeiteten Foto? Kann die Art und Weise, ob und wie ein Foto letztendlich bearbeitet wurde, ein Qualitätsmerkmal sein? Ist ein "gut" gelungenes Foto, das ohne EBV präsentiert wird, deshalb wertvoller, als z.B. ein Motiv, das durch gezielte EBV zum Kunstwerk wurde (und umgekehrt)? Kann es nicht sein, dass auch ein gut gelungenes Foto, das ohne EBV auskommen könnte, trotzdem zusätzlich per EBV manipuliert wird und genau dadurch noch "besser" wird? Ist es denn nicht so, dass viele Motive auch von ganz speziellem Licht profitieren (z.B. typische Sonnenuntergangsstimmungen usw.) und somit genauso manipuliert werden, als wenn man z.B. per EBV der Fassade von einem Gebäude einen ganz bestimmten Look verleiht? Die Methoden sind unterschiedlich, aber in beiden Fällen (die ich jetzt einfach als Beispiel anführe) wird das Ergebnis manipuliert.


    Jetzt könnte man auf der Schiene fahren, dass es ein Unterschied sei, ob man natürlich auftretendes Licht nutzt oder ob Licht/Farben aus der digitalen Welt entliehen wurden. Und da sind wir mitten im Thema: wenn "schön ist, was gefällt" und wenn "nur das Ergebnis zählt", warum wird dann teilweise heftig diskutiert, dass ein digital manipuliertes Bild und reine ooc Fotos nicht in dieselbe "Schublade" gehören? Ist es tatsächlich Neid und Missgunst? Sind per EBV manipulierte Bilder wirklich nur Ausdruck von Unfähigkeit, ein gutes ooc Foto zu machen (und umgekehrt)? Sind es vielleicht aber auch die "unwissenden Betrachter", die das nicht unterscheiden können/wollen und sich eher von bildgewaltigen EBV Kunstwerken beeindrucken lassen als von gelungenen ooc Fotos? Und wer sagt eigentlich, dass man es einem Foto tatsächlich ansehen können muss, dass es eine reine ooc Präsentation ist? Ich wette, dass so manch einer mehr als überrascht wäre, würde er erfahren, wie viel EBV in einem vermeintlich reinem ooc Foto stecken kann, dem man das einfach nur nicht ansieht. Und kann das Maß an eingesetzter EBV tatsächlich ein Kriterium sein? Es wurden hier ja bereits ein paar Stufen zur Unterscheidung aufgezeigt, aber kann man diese auch als allgemein "gültig" annehmen?


    Und ja, manches ist sicherlich auch dem Zeitgeist geschuldet, Trends kommen und gehen, manche Looks, Stile und auch Motive (Stichwort "Sonnenuntergänge") hat man einfach irgendwann mal über und das mag dann für manch einen störend/ermüdend sein. Aber das kann man sowohl zu ooc als auch EBV Bildern gleichermaßen sagen.




    Fakt ist:
    Fotografie (als auch Malerei/Zeichnen) kann absolut realistisch als auch manipuliert erfolgen. Und ganz unabhängig davon, ob dabei nun "wertvolle Kunst" entsteht oder nicht (wer auch immer meint, das beurteilen zu wollen), so scheint es, dass manche Ansprüche klare Trennung(en) fordern. Das wird halt besonders deutlich, wenn z.B. bei Fotowettbewerben keine klaren Vorgaben bzw. Einschränkungen definiert werden.
    Es ist also anscheinend ein Thema und weil es teilweise die Gemüter erhitzt, gilt mein Interesse dem "Warum", auch wenn ich mir sehr wohl im Klaren darüber bin, dass es die eine und erschöpfende Antwort sicherlich nicht geben kann. Aber genau das macht es für mich ja auch so interessant, zu erfahren, wie andere Menschen das sehen, darüber denken, urteilen oder vielleicht auch nur mit den Schultern zucken. Die Auseinandersetzung mit diesen und vielen weiteren Fragen ist somit vielleicht zielführender als "nur" die Suche nach einer einfachen Antwort (die ich auch gar nicht erwarte) ... ;-)




    Mit liebem Gruß
    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • Bei "schön ist, was gefällt", hätte man das ganze Thema sein lassen können. Wie so vieles in Foren besprochenes ebenso...

    Nein.


    Es gibt sehr wohl Grenzen und die spricht Frank ja auch ganz direkt an in seiner Fragestellung.


    Kontroversen in Foren entstehen systematisch genau an der Stelle wo undifferenziert verallgemeinert wird oder
    dort wo jemand in den Verdacht gerät in unerlaubter Weise zu manipulieren.


    Daher kann ich sehr wohl den Standpunkt teilen daß "erlaubt ist was gefällt" und gleichzeitig kritisch
    bleiben was die Intention des Bildermachers betrifft.


    Es kommt so sehr auf den jeweiligen Kontext an und deshalb ist das für mich eine spannende und schwierige Fragestellung.

  • @daex


    In meiner Aussage war kein Absolutismus. Zum einen ist es meine persönliche Einschätzung und zum anderen ist natürlich ein gemaltes Bild oder eine Erzählung als Märchen immer etwas, was eventuell noch etwas Realität haben kann, aber oft eine Fiktion ist.


    Hier war die Frage nach Foto oder Bild. Nicht nach „etwas“ Foto oder Bild. Für mich sind es Fotos, wenn ich das gesehene noch mit der Realität verbinden kann. Daher schrieb ich ja auch ...... eher Kunst.