Neuling braucht Hilfe, JI vs. Luminar oder Beides ?

  • Hallo Zusammen,



    bin relativ neu hier und möchte mich bewußt zunächst mal an die Entwickler wenden. Kurz zu mir: Bin Hobbyfotograf mit Hobbyausrüstung ( MFT PEN, FZ 1000 und eine Kompakte) kenne mich mit den fotografischen Grundlagen aus und habe bisher fast ausschließlich JPG`s fotografiert.
    Das Thema Bildbearbeitung stellte für mich bisher immer eine Hürde dar, vor allem wegen des zu erwartenden Zeitaufwands. Dennoch habe ich Mitte des Jahres begonnen mich mit dem JI zu beschäftigen, das hat Spaß gemacht und ich habe mit meinen rudimentären Kenntnissen auch schon ansprechende Ergebnisse hinbekommen. Will man jedoch tiefer in die Möglichkeiten der Bildbearbeitung mit Hilfe dieses Programmes eintauchen wird es für einen Neuling schwierig und tatsächlich sehr zeitaufwendig. Es gibt leider nur sehr wenige und alte Tutorial Videos im Netz und das Handbuch ist auch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Ich bin jetzt an dem Punkt angekommen abzuschätzen, ob sich für mich die Mühe der Einarbeitung in JI überhaupt lohnt, oder ob ich mich lieber einem universellerem Bildbearbeitungsprogramm wie z.B. Luminar zuwenden soll.


    Ich denke mal, auch in Luminar kann man JPGS bearbeiten, darüberhinaus aber auch RAW Dateien, es ist relativ einfach strukturiert, es gibt geniale Filter (z.B Sky Enhancer) und Presets, und es wird sehr bald eine Bibliotheksfunktion hinzukommen. Darüberhinaus gibt es für Luminar mittlerweile unzählige Tutorialvideos, die den Einstieg in das Programm sehr erleichtern. Habe deshalb auch schon mit Luminar herumprobiert.


    Aber: Beim Bearbeiten eines gleichen JPGs in JI und in Luminar scheinen die Ergebnisse in JI etwas besser zu sein. Wenn man in das fertige Luminar JPG hineinzoomt scheinen feine Strukturen etwas verwaschener, verrauschter und hier und da sind CA´s hinzugekommen.


    Merkwürdig ist auch, daß aus Luminar exportierte JPGs die doppelte Dateigröße haben z.B. 16 MB statt 8 MB wie das Ursprungs JPG. Der JI verändert die JPG Dateigröße nur unwesentlich.



    Deshalb hier meine Fragen an Euch:

    • Gibt es Alleinstellungsmerkmale die für eine ausschließliche Bearbeitung von JPGs mit dem JI sprechen ?
    • Was kann der JI, was andere Bildbearbeitungsprogramme ( Luminar, Affinity, Lightroom etc.) nicht können ?
    • Ist es vieleicht sogar so, dass der JI das Fotografieren im RAW Format überflüssig macht?
    • Was kann mir den evtl. tieferen Einstieg in JI erleichtern ?
    • Möchte mehr Grundsätzliches zur Bildbearbeitung lernen, kennt ihr da Grundlagenliteratur?

    Danke schonmal für Eure Hilfe zu meiner Entscheidungsfindung, ob ich in Zukunft mit nur einem Bildbearbeitungsprogramm auskommen werde.


    Falls Ihr der Meinung seid, dass mein Post nicht in diesen Thread passt, könnt ihr ihn gerne verschieben.



    Beste Grüße


    Frank



  • Ich bin keiner der beiden Entwickler aber ich gebe Dir mal eine erste Einschätzung.


    Zunächst mal vergleichst Du Äpfel und Birnen. Luminar kostet 69,- Euro, JI kostet nichts. Hinter Luminar steht eine Firma, hinter JI steht Enthusiasmus. Die beiden Entwickler, die dieses Wunderwerk seit vielen Jahren entwickeln und pflegen, Bertram und Franz, machen das nebenher und nur zum Spaß.


    Trotzdem und gerade deswegen ist JI ein feinsinniges Werkzeug, das zu erlernen sich sehr lohnt. Oft gelingen mir damit Korrekturen, die ich selbst in Lightroom einfach nicht hinbekomme. Luminar ist dabei viel mehr auf plakative Effekte ausgelegt. Da geht es weniger um das letzte Detail als um das schnelle 'Oh!'


    Hervorheben möchte ich die Tatsache, dass JI die Bilder in einem anderen Farbraum bearbeitet und dadurch besonders schonend mit Farben umgeht. Ausserdem sind die Perspektivkorrekturen der Hammer.


    Kurz gesagt: Nimm JI, wenn auch Du enthusiastisch bist (denn Du musst Dich auf JI einlassen und üben) und nimm Luminar, wenn Du eher auf die schnelle plakative Wirkung setzt.

    www.stefansenf.de
    Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
    Ricoh Theta V | Pentax KP, 10-17, 18-300, 15, 21, 35, 55, 70 und Lensbaby | Samsung NX1000 und NX300 mit 16, 16-50, 20-50 und Altglas

  • @le spationaute :
    Zunächst einmal danke für Dein Feedback. Auch wenn ich meinen Post in den Entwicklerthread gestellt habe, heißt das nicht, dass ich mich nicht auch über Meinungen anderer User (und Moderatoren) freue.


    Natürlich erkenne ich die Leistung an, die hinter der Entwicklung von JI steckt. Ich habe ja selber gemerkt wie komplex dieses Programm ist, wenn man sich näher damit beschäftigt. Trotzdem gelang es mir relativ schnell meine ersten JPGs erheblich zu verbessern. Wenn man dann aber in die Tiefe gehen möchte (wie z.B. partielle Korrekturen hinsichtlich Helligkeit oder Farbe, Schärfe, Entrauschen, Lupenfunktionen, CAs beseitigen, Tonwerte und Schwarzpunkt korrigieren, das Arbeiten mit Masken, Pinseln und Stempeln, das Berücksichtigen unzähliger Tastenkombinationen etc.) wird es für mich kompliziert.


    Mag natürlich sein, daß das für sämtliche ernsthaften Bildbearbeitungsprogramme gilt, wenn man z.B. mehr als nur den Kontrast, die Helligkeit oder die Farbsättigung verändern möchte. Umso wichtiger ist dann für mich die Unterstützung beim Erlernen eines Programmms. Und die ist nun mal bei weit verbreiteten Programmen deutlich besser. Für Lightroom gibt es sogar VHS Kurse. Luminar rückte für mich in den Focus aus oben genannten Gründen, und weil es relativ preiswert ist. Ich glaube auch, dass man mit Luminar nicht nur plakativ arbeiten kann, wenn man mit den Reglern sorgfältig umgeht. Ich werde es definitiv auch weiter auspobieren, und wenn es mir dann nicht gefällt, habe ich nicht allzuviel Lehrgeld bezahlt und trotzdem Erfahrungen gemacht, die mich insgesamt weiterbringen.


    Wenn es um JPGs geht, und ich genug Zeit habe, werde ich parallel dazu versuchen, mich weiter in den JI reinzufuchsen. Es scheint ja bei engagierten Fotografen sowieso üblich zu sein, mehrere Bildbearbeitungsprogramme zu nutzen, und Du tust es ja auch. Bis dahin wird es bei mir noch ein weiter Weg, es gibt noch viel zu lernen und auszuprobieren.


    An der Weisheit, das beste Programm ist das, womit man sich fast 100 prozentig auskennt, scheint allerdings auch etwas dran zu sein.

  • Schau, ich suche seit längerem einen Nachfolger für Lightroom (ich mag das Abo-System nicht). Ich finde keinen. JI ist für mich (weil ich es länger kenne als Lightroom) die beste Bildbearbeitungssoftware (eigentlich sollte man schreiben 'Bildentwicklungssoftware', denn für die Arbeit mit Ebenen und für schwere bildgestalterische Eingriffe ist es nicht geschaffen) weit und breit, allerdings nur für JPG. Ich habe hier mittlerweile auch Affinity Photo und hatte zwischenzeitlich eine Demo von DXF. DXF fand ich persönlich sehr gut. Luminar habe ich noch gar nicht versucht.

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  • Ja, man muss sich halt durchprobieren um für seine Ansprüche das Richtige zu finden. Bei mir wird sich die Fotografie immer im Hobbybereich bewegen; ich denke nicht, dass ich jemals ein Bild veröffentlichen werde. Deshalb suche ich ein Programm womit ich ohne allzu großen Aufwand schnell zu für mich ansprechenden Ergebnissen komme. Leider habe ich eine kleine Neigung zum Perfektionismus, womit ich mir oft selber im Weg stehe... ;-)

  • Hallo Frank!
    Ich kann Dich nur ermuntern, das Handbuch zu lesen und parallel dazu die Funktionen auszuprobieren, das was da noch nicht drin steht, ist ungefähr ab Seite 21 bei den Neuerungen von JI geschrieben. Aus dem Handbuch lernt man sehr viel über die Grundlagen der digitalen Bildbearbeitung, schneller wird's mit anderen Büchern auch nicht gehen. Jemand hat es auch mal für den Druck vorbereitet, ist im Forum zu finden, wenn man sich lieber in die Sofaecke damit setzt.
    LG Andy

  • Also ich nutze meist ji und manchmal SilkyPix, wenn ich doch mal RAW brauche (bzw. meine es zu brauchen), ganz selten Raw Therapee.


    Ich kenne Luminar nur von deren Webseite. Es kann bestimmt eine Menge, was ji nicht kann und vielleicht auch nie können wird. Gerade wenn es darum geht bestimmt "Looks" mit wenig Aufwand zu produzieren. Ich sehe es so: die Programme ergänzen sich eher, als dass sie konkurrieren. Und die Entscheidung, in welchen Fällen man welches Werkzeug einsetzt, kann man kaum pauschal fällen. Das hängt zu stark von der persönlichen Arbeitsweise, eigenen Vorlieben und dem konkreten ab Einsatzzweck ab.


    Wenn man dann aber in die Tiefe gehen möchte (wie z.B. partielle Korrekturen hinsichtlich Helligkeit oder Farbe, Schärfe, Entrauschen, Lupenfunktionen, CAs beseitigen, Tonwerte und Schwarzpunkt korrigieren, das Arbeiten mit Masken, Pinseln und Stempeln, das Berücksichtigen unzähliger Tastenkombinationen etc.) wird es für mich kompliziert.

    Ich würde raten in solchen Fällen einfach gezielt Fragen zu stellen. :smile:

  • Danke nochmal für eure Anregungen, ich werde euch bestimmt noch öfter im Forum nerven :smile: .


    Eine etwas provokante Frage geht mir spontan aber jetzt schon durch den Kopf: Wenn man grundsätzlich seine JPGs bearbeitet (entwickelt), warum fotografiert man dann nicht gleich in RAW, ist das nicht der gleiche Aufwand bis auf die größeren Datenmengen?

  • Die Frage ist nicht so provokativ, wie Du denkst. Mit jeder neuen Kamera würde es bei mir bisher einfacher, jpgs direkt aus der Kamera zu erhalten, die mir gefallen und die 'gut genug' sind.


    Trotzdem bearbeite ich nach. Ich rede dabei nicht über die ruppig Nachbearbeitung, die ich meinen Instagram Bildern zuteil werden lasse. Ich rede darüber, aus einer Aufnahme ein Bild zu entwickeln. Im vollen (doppelten) Wortsinn. Dabei mache ich wichtiger, was wichtig ist, betone die Besonderheiten eines Bildes, lenke den Blick und die Wahrnehmung. Mein Ziel ist es, meine subjektive Wahrnehmung eines Ortes oder einer Situation im Bild für den Betrachter wahrnehmbar zu machen.


    Die Frage RAW oder jpg steht dabei weit zurück. Mit RAW kann man tiefer ins Bild eingreifen, ohne allzu deutliche Spuren zu hinterlassen. Dafür ist RAW sperriger und ich bearbeite bei weitem nicht jedes Bild das ich mache. Ein nicht entwickeltes RAW ist allerdings kein Genuss beim Stöbern durch alte Aufnahmen. Dann lieber ein jpg.

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  • Du hast natürlich recht, wenn man ausschließlich in RAW fotografiert, dann muss man entwickeln. Bei Jpgs muss man das nicht. Und es macht für mich auch keinen Sinn jedes Urlaubsbild zu entwickeln.


    Ich denke, ich werde mir mal eine Funktionstaste an der Kamera mit RAW + JPG belegen, dann kann ich mir bei besonderen Motiven überlegen diese Funktion zu nutzen. Und dann muss ich überhaupt erst mal Erfahrungen bei der Entwicklung von RAW Dateien machen, um beurteilen zu können ob oder bei welchen Gelegenheiten RAW für mich überhaupt Sinn macht. Ich habe bisher nämlich noch nie ein RAW Foto verarbeitet :whistling:

  • Du hast natürlich recht, wenn man ausschließlich in RAW fotografiert, dann muss man entwickeln. Bei Jpgs muss man das nicht. Und es macht für mich auch keinen Sinn jedes Urlaubsbild zu entwickeln.


    Ich denke, ich werde mir mal eine Funktionstaste an der Kamera mit RAW + JPG belegen, dann kann ich mir bei besonderen Motiven überlegen diese Funktion zu nutzen. Und dann muss ich überhaupt erst mal Erfahrungen bei der Entwicklung von RAW Dateien machen, um beurteilen zu können ob oder bei welchen Gelegenheiten RAW für mich überhaupt Sinn macht. Ich habe bisher nämlich noch nie ein RAW Foto verarbeitet :whistling:

    Das gleichzeitige Aufnehmen von Raw und JPEG ist eine gute Entscheidung. Hierzu ist der JI auch das passende Werkzeug denn man kann ja beinahe nahtlos vom JPEG zu einem beliebigen Raw-Konverter verzweigen (Optionen-Menü / externe Raw-Konverter).
    Prinzipiell ist es so, dass man mit einem Raw-Konverter i.d.R. zunächst mal in die Regler eingreifen muss um aus den gesammelten Lichtwerten ein ansehliches Bild zu erzeugen. Im Gegensatz dazu hat die interne JPEG-Engine der Kamera schon vieles richtig gemacht und deshalb taugt das JPEG zumindest als Referenz. Es ist mir bei der Raw-Entwicklung schon häufig passiert, dass ich nach dem Vergleich mit dem JPEG meine Einstellungen geändert habe um das Bild dem JPEG anzunähern. Auch sind die heutigen Kameras mittlerweile so gut, dass i.d.R. in den JPEGs ausreichend Bearbeitungsspielraum vorhanden ist.
    Engpässe gibt es eigentlich nur noch in den Spitzlichtern und das liegt an den lediglich 8 Bits, die im üblichen JPEG-Format gespeichert werden (bei Video und einigen Smartphones sind es heute schon 10 Bit, Abhilfe scheint also zu nahen).
    Um z.B. ein Bild mit ausgefressenen Lichtern zu retten, kann man mit dem JI einfach zum RAW verzweigen und es entwickeln. Der JI kann den Ordner derart überwachen, das mit dem entwickelten Bild weiter gearbeitet werden kann.


    Als Besitzer einer Oly-Pen und einer Panasonic FZ1000 verfügst Du ja schon über den Oly-Viewer und die Lumix-Version von SilkyPix. Diese beiden kannst Du im Optionen-Menü eintragen und bedarfsweise aus dem JI heraus benutzen.


    Nicht nur, dass der JI m.M.n. die qualitativ beste JPEG-Bearbeitung bietet, er stellt auch geometrische Tranformationen bereit, die sonst nur noch durch teure Zusatzsoftware erhältlich ist. Man muss auch nicht sofort den gesamten Funktionsumfang beherrschen sondern kann sich Stück für Stück an benötigte Features herantasten. Die meisten Anwender hier werden auch nach Jahren der Benutzung immer noch etwas Neues entdecken.

    Gruß softride
    Lumix GM1, GX7, GX80, GX9, P7-14, P8, P1,7/15, P12-32, P2,8/45, O1,8/45, O1,8/75, P14-140 II, P100-300, P100-400

  • Hoi, lieber Quasiraw!



    Zunächst ein Wort zu mir: Ich bin, wie Du, ein „Hobbyfotograf mit Hobbyausrüstung“ (ich besitze eine digitale Kamera der Marke OLYMPUS (nämlich das digitale Modell „E-5“, welches komplizierter zu bedienen ist, als das uralte analoge Modell „OM-1“).



    Während den 1970er-Jahren kannte ich keinen Hobbyphotographen, dem die technische und finanzielle Möglichkeit gegeben war, seine farbenfrohen Schnappschüsse selbst auf Photopapier zu bannen. Man schickte seine Farbfilme in ein Photolabor, ließ sie entwickeln und freute oder ärgerte sich über das Ergebnis der Photolaboranten. – Dieses Manko behebt das hervorragende Programm namens „jpg-Illuminator“. Deren Erfindern und Entwicklern danke ich von ganzem Herzen. Sie versetzten mich mittels ihres digitalen Photoproammes instand, selbst Verbesserungen oder Verschlechterungen meiner Photographien zu bewirken.



    Noch etwas zu meiner Person: Als seit etlichen Jahren Gehbehinderter ist es mir leider nicht mehr möglich, weitläufige Exkursionen zu unternehmen, um mir nur vom Hörensagen bekannte Weltgegenden photographisch zu erkundigen. – Aber dies ist der Lauf der Zeit, welchen manche „Schicksal“ nennen.


    Dir, Quasiraw, teile ich frohgemut mit, daß meine Kinder und Enkel die im Laufe der Zeit farblich verfälschen Photographien ihrer Vorfahren hochschätzen.



    Dich herzlich grüßt der


    Schweizerknabe