Rechtslage in der Street Photography

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    • Subjektiv schrieb:

      Genau deshalb empfehle ich bei Fragen, die wirklich interessieren, gelegentlich zum Äußersten zu gehen und den Gesetzestext selbst zu lesen. Ist anstrengend, fördert aber die sachliche Auseinandersetzung ungemein. Zumindest verhindert es, dass einer vom anderen abschreibt und auf diese Weise Interpretationen plötzlich zu allgemein geteilten Wahrheiten mutieren. Der Rat, auch mal selbst zu lesen, stammt übrigens von Juristen.
      Ja, schon klar.

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?

      Eine Extremsituation stellt derzeit Ungarn da, wo JEDE Person (egal ob Beiwerk oder Motiv), vor einer Abbildung um Erlaubnis gefragt werden muss. Was nicht mal mehr Reportagen ermöglicht, weil "der Staat" entscheidet, was "wichtige Information" ist, die von dieser Regelung ausgenommen ist.

      Ideale Voraussetzungen für Absolutismus, Thyrannei und Stattsterrorismus, wenn ich mal länger drüber nachdenke.
      Liebe Grüße
      Ernst
      weinzettl.info
    • ernst.w schrieb:

      Eine Extremsituation stellt derzeit Ungarn da, wo JEDE Person (egal ob Beiwerk oder Motiv), vor einer Abbildung um Erlaubnis gefragt werden muss. Was nicht mal mehr Reportagen ermöglicht, weil "der Staat" entscheidet, was "wichtige Information" ist, die von dieser Regelung ausgenommen ist.

      Ideale Voraussetzungen für Absolutismus, Thyrannei und Stattsterrorismus, wenn ich mal länger drüber nachdenke.
      Da hast Du leider recht - das Risiko, in totalitären Regimes zu fotografieren oder zu schreiben, ist sehr hoch; wer es trotzdem tut, weiß in der Regel, was er risikiert und wofür. Das hat aber mit der Rechtslage in "normalen" Ländern nicht viel zu tun. Und in solche menschenverachtenden Diktaturen reise ich - ganz bewusst - auch nicht mehr.

      ernst.w schrieb:

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?
      Persönlich fotografiere ich rund um die Welt weiterhin auch Menschen in ihrer Umgebung. Allerdings:
      - ich "schieße" grundsätzlich keine Menschen mit der Kamera ab. Weder aus unmittelbarer Nähe noch mit dem Teleobjektiv. Auch nicht, wenn es erlaubt wäre oder unentdeckt bliebe.
      - wenn ich tatsächlich mal eine einzelne Person oder Personengruppe fotografieren möchte, frage ich die Leute vorher; oder zeige ihnen das Bild nachher und frage sie a) ob ich es für meine privaten Zwecke behalten darf und b) ob ich ihnen eine Kopie davon schicken darf. Viele freuen sich darüber. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass mich Leute gebeten haben, das Bild von ihnen zu löschen. Dann tue ich das, vor ihren Augen.
      - Veröffentlichen tue ich solche Bilder so gut wie nie. Das ist manchmal schade, aber ich möchte umgekehrt auch nicht ungefragt auf Bildern im Internet oder auf sozialen Medien auftauchen, vielleicht sogar in Kontexten, die mir ganz und gar nicht recht sind.
      - Szenen, auf den Menschen quasi anonymes Beiwerk sind, veröffentliche ich nur sehr, sehr selektiv. Manchmal "blurre" ich dabei vorher erkennbare Gesichter aus.

      Also: ja, ich mache die Aufnahmen für mich selbst. Nein, ich veröffentliche sie nicht, wenn ich nicht sicher weiß, dass die Leute damit einverstanden sind.

      Doch ich gebe zu, dass ich selbst hier auf dem Forum davon schon abgewichen bin: gerade von Reisen zeige ich (immer seltener, aber immerhin) Bilder mit unbekannten Personen drauf. Ich achte zwar darauf, dass niemand in unwürdigen Situationen dargestellt wird, aber trotzdem ... Früher bin ich damit noch etwas unbekümmerter umgegangen, aber inzwischen ist mir der Respekt vor der Person wichtiger als die Veröffentlichung eines Bildes. Eben, weil ich das gleiche auch für mich beanspruche.

      Das Ganze ist für mich inzwischen mehr eine ethische denn eine rechtliche Frage.
    • ernst.w schrieb:

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?
      Ich sehe mich eher als Reisefotografin und nicht als Streetfotografin, obwohl ich bei meinen Reisen viele Menschen in Alltagssituationen fotografiere.
      Meist spielt da ein gewisser Exotic-Faktor eine Rolle, so dass ich in Deutschland/Europa eher selten Menschen fotografiere.

      Ich werde auch weiterhin Menschen fotografieren, sie gehören für mich bei vielen Motiven/Situationen einfach dazu.
      Heimlich fotografiere ich eher nicht, ich suche meist vor dem Foto den Blickkontakt mit den Menschen oder zeige meine Kamera ganz offen.

      Weiterhin vermeide ich es auch, Menschen in unvorteilhaften/peinlichen Situationen aufzunehmen.
      Wenn ich es selber unangenehm empfinde, dann verzichte ich auch auf entsprechende Fotos, auch wenn es ggf. möglich gewesen wäre, zu fotografieren.
      So habe ich z.B. bei meinem Australien-Urlaub keinen einzigen Aborigene fotografiert, da ich diese nur in herabwürdigenden Situationen angetroffen habe.

      In ganz seltenen Fällen mache ich aber auch mal "heimlich" Fotos, wenn die Motive einfach zu verlockend sind ... also z.B. in Bolivien. Die alten Damen mit ihren prachtvollen Hüten wollen einfach nicht fotografiert werden, aber auf diese Motive wollte ich dann doch nicht verzichten.

      Ich werde diese Fotos auch weiterhin auf meiner Webseite und vereinzelt auch in Fotoforen veröffentlichen, wobei natürlich die Gefahr, rechtlich belangt zu werden eher gering ist, wenn man Bilder aus fernen Ländern zeigt.

      Bei Fotos, die in Deutschland entstanden sind, werde ich je nach Motiv abwägen. Ich denke, dass die Tatsache, dass ich nicht heimlich fotografiere und die Menschen nicht unvorteilhaft gezeigt werden, die Situation grundsätzlich entschärft.

      Ich werde voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder beim CSD in Berlin fotografieren. Dort posieren die Leute direkt vor der Kamera und sind erfreut, wenn man sie fotografiert.
      Bei diesen Fotos sehe ich z.B. keinen Grund auf eine Veröffentlichung zu verzichten ...

      Sehr kritisch sehe ich dagegen Kinderaufnahmen. Diese würde ich nicht mehr ohne weiteres veröffentlichen.

      Fazit:
      Ich werde weiterhin entsprechende Fotos machen, bei der Veröffentlichung jedoch im Einzelfall entscheiden.
      Das ein oder andere Foto werde ich ggf. nicht mehr im Internet veröffentlichen, aber es ist dann trotzdem für mich eine private Erinnerung, die mich den Moment wiedererleben lässt.
      Letztendlich zeige ich meine Fotos sehr gerne, aber in erster Linie mache ich die Bilder ja für mich, so dass die Veröffentlichung für mich nicht im Vordergrund steht.
    • Eine sehr schöne Zusammenfassung von Ansichten, die ich insgesamt teile Claudia.

      Natürlich mache ich als Fotograf mein Bild. Wenn das Motiv da ist. Und an der Stelle gibt es auch kaum etwas
      /rechtliches/ was dem entgegensteht. Verantwortung und Verantwortlichkeit sind Ehrensache. Wenn nach sorgfältiger
      Abwägung aller Aspekte ein Bild wider Erwarten "daneben" geht - sei es inhaltlich, geschmacklich oder auch im
      Bezug auf Personenrechte ist das ein Fehler. Das kann passieren. Jedem.

      Was mich an vergangenen Diskussionen zu Fotografie und Recht oft gestört hat waren regelrechte Wettbewerbe im Finden von
      rechtlichen Beschränkungen und deren Ausufern bis zur Selbstgeißelung.

      Deshalb bin ich dafür, jedem Fotografen primär die Hoheit über sein Bild zuzugestehen und davon auszugehen daß
      er in seinem Rahmen schon verantwortungsvoll handelt. Das ist für mich eine Frage von Respekt.
    • Ich finde es ethisch gar nicht schlimm, Menschen die sich in der Öffentlichkeit aufhalten dort auch zu fotografieren.

      Leider ist das aber rechtlich nach meinem Rechtsverständnis tatsächlich unzulässig. Ob die hier im Thread getroffene Unterscheidung zwischen einer Verwendung mit kleiner Öffentlichkeit ('privat') oder eine netzwelt zugängliche Veröffentlichung stichhaltig ist, muss wohl erst ein oberes Gericht klären.

      Wenn ich diese Gegensätze ansehe, kann ich nur hoffen, dass Deutschland fest in der Hand humanistischer und demokratisch denkender und handelnder Politiker bleibt. Die gesetzliche Lage lässt nämlich in meinen Augen dur Haus eine missbräuchliche Nutzung der Regularien zu.

      Tatsächlich wäre eine Deregulierung mMn angebracht. Das Scbutzgut der Kunst- und Meinungsfreiheit hätte ich für wichtiger gehalten als das Recht am eigenen Bild in der Öffentlichkeit.

      Es liegt auf drr Hand, dass sich ein Eindringen in die Sphäre des Privaten verbietet. Auch der Schutz von Schutzbedürftigen oder hilflosen Personen ist ethisch einleuchtend für mich.
      www.stefansenf.de
      Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
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    • Ich habe auf der Arbeit Kontakt zu etlichen Pressefotografen. Die sind in den Gesetzen oft ausgenommen mit einem Absatz, der Ausnahmen "zur Dokumentation des Zeitgeschehens" zulässt. Sonst käme das ja einem Berufsverbot gleich. Gleiches gilt übrigens auch oft für Strafverfolger, die halt gewisse Dinge doch tun dürfen, wenn es der Strafverfolgung dient (z.B. Drogen ankaufen, obwohl "Beschaffung, Einfuhr, Zugänglichmachung..." unter Strafe stehen).

      Ich denke einige der Fotografen betreiben das auch als Hobby oder kennen sicher die Rechtslage genauer. Und ich werde mal unsere Justiziare fragen, ob die dazu was wissen. Vor Freitag bin ich jedoch nicht im Büro.
      LG
      Lars

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    • Der Widerspruch ist offensichtlich. Aber es ist ein Stück aus dem Fotografenleben in der Praxis eben auch mit diesem
      Thema eigenverantwortlich umzugehen und zu entscheiden. Ich denke darauf bezog sich Claudias Aussage.

      Eine m.E. hier passende Äusserung hat Rangar Yogeshwar gestern auf die Frage wie er es denn mit dem Respekt vor roten
      Ampeln hielte gegeben: "Ich wurde in Indien sozialisiert und mein Vater sagte zu mir gehe bei rot, achte aber auch bei grün
      auf Autos"

      ;-)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Axel ()

    • Axel schrieb:

      Eine m.E. hier passende Äusserung hat Rangar Yogeshwar gestern auf die Frage wie er es denn mit dem Respekt vor roten
      Ampeln hielte gegeben: "Ich wurde in Indien sozialisiert und mein Vater sagte zu mir gehe bei rot, achte aber auch bei grün
      auf Autos"
      Der Rangar ist sowieso ein helles Köpfchen...!


      "Es kann von keinem vernünftigen Menschen jeden Tag was Gescheites kommen." Hans Meyer
    • Axel schrieb:

      Der Widerspruch ist offensichtlich. Aber es ist ein Stück aus dem Fotografenleben in der Praxis eben auch mit diesem
      Thema eigenverantwortlich umzugehen und zu entscheiden. Ich denke darauf bezog sich Claudias Aussage.
      Aha. Wir denken mal etwas nach; da sind Menschen, die signalisieren dass sie nicht abgelichtet werden wollen. Fotograf sagt: ich will aber. Fertig.
      Sehr ...
    • Einen Passus des Ursprungsposting solltet Ihr aber auch nicht so ganz unter den Teppich kehren:

      kleiner_Hobbit schrieb:

      Das ein oder andere Foto werde ich ggf. nicht mehr im Internet veröffentlichen, aber es ist dann trotzdem für mich eine private Erinnerung, die mich den Moment wiedererleben lässt.
      Was für mich auch sehr interessant ist, ist die teils völlig verschiedene Reaktion auf Fotografen in verschiedenen Ländern bzw. Weltgegenden. Ist es in vielen Teilen Asiens und auch Afrikas so, dass sich Einheimische förmlich um den Fotografen drängen, um ja auch abgelichtet zu werden, versteckt sich der Europäer mittlerweile gerne. Nennt sich das "Zivilisation" oder eher "Paranoia"? ;) In den USA habe ich auch eher eine Offenheit gegenüber der Abbildung durch Fremde erlebt.

      (In Südamerika war ich noch nie, kann also nichts zu Bolivianerinnen sagen.)
      Liebe Grüße
      Ernst
      weinzettl.info
    • Axel schrieb:

      Eine m.E. hier passende Äusserung hat Rangar Yogeshwar gestern auf die Frage wie er es denn mit dem Respekt vor roten Ampeln hielte gegeben:
      Oje...
      wie wenn da kein Unterschied wäre, ob ich einen Gegenstand nicht respektiere ("die Ampel") oder den Willen eines Menschen bzgl. seiner eigenen Person ..

      FrankDpunkt schrieb:

      da sind Menschen, die signalisieren dass sie nicht abgelichtet werden wollen. Fotograf sagt: ich will aber. ...
      Gedankengang zur Anregung:
      Stellt euch mal vor, IHR seid in einer Situation, in der IHR wieso auch immer NICHT fotografiert werden möchtet, und dann kommt da jemand, der das nicht respektiert, sich nicht daran hält, heimlich oder nicht :shock: ..
      Ich halte es für mich nach dem Motto "was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu" :smile: ...

      ernst.w schrieb:

      versteckt sich der Europäer mittlerweile gerne. Nennt sich das "Zivilisation" oder eher "Paranoia"?
      Oder Übersättigung, oder einfach "keinen Bock"? Ist eigentlich, ehrlich gesagt, gleichgültig, denn "will nicht" ist "will nicht".

      In diesem Zusammenhang - um das Ganze mal umzukehren - lehne ich seit nicht allzu langer Zeit in gut 80% der Fälle ab , andere Menschen mit ihrem Smartphone / Cam auf Nachsuchen abzulichten. Dies vor allem an Hotspots, besonders bei in Busen angekarrte Massentouristen, durchaus auch bei in Scharen auftretenden Asiaten, und besonders dann, wenn ich den Eindruck habe, dass das Bild nur der Selbstinszenierung dient und in 3 Tagen eh wieder in der Tonne landet. Wieso? Ganz einfach, weil ICH darauf keinen Bock mehr habe, mir meine Zeit zu Schade ist. Und Punkt. Das Schlimme ist leider, dass man mit einer DLSR am Auge anscheinend geradezu prädisponiert für so was zu sein scheint.

      ernst.w schrieb:

      In den USA habe ich auch eher eine Offenheit gegenüber der Abbildung
      In den USA heißt halt auch "öffentlich" "öffentlich", d.h., dass wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege, kann und darf jeder alles Öffentliche foten, auch ohne mein Einverständnis. Ist ok so, und im Grunde stört es mich selbst im Allgemeinen auch nicht, abgelichtet zu werden, als "Beiwerk" einer Szene sowieso nicht.

      Aber vielleicht nochmal um klarzustellen: Hier im Thread geht es ja um "Street". In diesem Genre geht es um die Anwesenheit von Menschen in einer öffentlichen Location und nicht um deren Identität, bzw. Erkennbarkeit. Hier sehe ich, zumindest was mich betrifft, die Erkennbarkeit fotografisch gesehen sogar eher störend und auf jeden Fall auch nicht erforderlich, ganz im Gegenteil. "Erkennbarkeit" führt zu einem individuellen Bild ("Portrait") und ist der alleinigen menschlichen Anwesenheit im Sinne vor Street im Regelfall abträglich...
      lg, Achim

      (Von mir eingestellte Bilder dürfen grundsätzlich bearbeitet und bei DFT gezeigt werden.)
    • aeirich schrieb:

      Hier sehe ich, zumindest was mich betrifft, die Erkennbarkeit fotografisch gesehen sogar eher störend und auf jeden Fall auch nicht erforderlich, ganz im Gegenteil. "Erkennbarkeit" führt zu einem individuellen Bild ("Portrait") und ist der alleinigen menschlichen Anwesenheit im Sinne vor Street im Regelfall abträglich...
      Ich sehe da gerade in der Erkennbarkeit in der Strassenfotografie einen wesentlichen Aspekt. Erkennen von Menschen, ihren
      Aktivitäten und Stimmungen schlägt sich doch häufig im Wesentlichen im Gesichtsausdruck nieder.
      Deshalb wehre ich mich auch gegen eine pauschale Abstraktion in dieser Form.

      Das Grundgesetz unseres Landes gibt auch für die Fotografie einen guten rechtlichen Rahmen vor. Und die Kompetenz
      des Fotografen hört ja nicht mit dem Auslösen auf. Im Gegenteil - da fängt sie erst an. Viel wichtiger als die Frage ob
      und wo ich ein Bild gemacht habe ist der Punkt was ich mit dem Bild mache. Wo und in ggf. welchem Kontext präsentiere
      ich es? Wem zeige ich das Bild und wofür nutze ich es?

      Das sind die wirklichen Fragen zu dem Thema und deshalb ist mir diese ganze Diskussion um "Rechtsverletzung im Moment des
      Auslösens" viel zu theoretisch und abgehoben. Konsequent zu Ende theoretisiert führt sie immer zum gleichen Ergebnis:
      Kein Bild.
    • Ich stehe zu meinem Verhalten, und sehe hier keine Notwendigkeit mich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen.

      Ja, ggf. stößt dieses Verhalten nicht bei allen auf Zustimmung, aber so wie ich das verstanden habe, geht es hier in dem Thread nicht um "richtig oder falsch" oder darum, die Verhaltensweisen anderer User zu kritisieren, sondern darum darzustellen, wie man selber mit der Thematik umgeht.

      ernst.w schrieb:

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?
    • aeirich schrieb:

      Motto "was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem anderen zu"
      DIESE Auslegung ist aber heutzutage auch problematisch. Ich selbst habe kein Problem mit einer Ablichtung, auch durch Fremde. Ich kann auch damit leben, dass meine Frisur mal nicht so ganz sitzt. ;)

      aeirich schrieb:

      denn "will nicht" ist "will nicht"
      DAS ist der Punkt. Und selbst das ist manchmal schwer, der eigenen Seele schwer zumutbar. ;) So gesehen kann ich sogar kleiner_Hobbit verstehen.

      aeirich schrieb:

      In den USA heißt halt auch "öffentlich" "öffentlich", d.h., dass wenn ich mich im öffentlichen Raum bewege, kann und darf jeder alles Öffentliche foten, auch ohne mein Einverständnis. Ist ok so, und im Grunde stört es mich selbst im Allgemeinen auch nicht, abgelichtet zu werden, als "Beiwerk" einer Szene sowieso nicht.
      Ja, diese Denkweise finde ich logisch und nachvollziehbar. Und so war es auch bei uns noch vor kurzem.

      aeirich schrieb:

      Hier im Thread geht es ja um "Street".
      Nett, dass du mich als Thread-Opener daran erinnerst. :mrgreen:

      aeirich schrieb:

      Hier sehe ich, zumindest was mich betrifft, die Erkennbarkeit fotografisch gesehen sogar eher störend und auf jeden Fall auch nicht erforderlich, ganz im Gegenteil.
      Oft nicht erforderlich, manchmal aber sehr wohl. Ich reiche gerne Beispiele nach, aber bis mein PC wieder läuft, wird es noch ordentlich dauern. Leider.

      aeirich schrieb:

      "Erkennbarkeit" führt zu einem individuellen Bild ("Portrait") und ist der alleinigen menschlichen Anwesenheit im Sinne vor Street im Regelfall abträglich..
      Bei Street geht es nicht nur um "menschliche Anwesenheit". Geh mal in Santa Monica in die 3rd Street Promenade und überprüfe deine Aussage. ;)

      kleiner_Hobbit schrieb:

      Ich stehe zu meinem Verhalten
      Das wollen wir doch hoffen.

      kleiner_Hobbit schrieb:

      Ja, ggf. stößt dieses Verhalten nicht bei allen auf Zustimmung, aber so wie ich das verstanden habe, geht es hier in dem Thread nicht um "richtig oder falsch" oder darum, die Verhaltensweisen anderer User zu kritisieren, sondern darum darzustellen, wie man selber mit der Thematik umgeht.
      Genau so ist es. Ich bin einfach neugierig. Und vielleicht kann ich von der einen oder anderen Antwort auch profitieren. Sieht ganz so aus.
      Liebe Grüße
      Ernst
      weinzettl.info
    • Ich bin jetzt kein "Street Fotograf", aber es ist natürlich unvermeidlich, dass auch mal Passanten in meinen Bildern zu finden sind.

      Nur mal 2 Erlebnis-Beispiele, die stellvertretend für viele weiter stehen:

      "Hey sie da, haben sie mich etwa gerade fotografiert?" Eine Frau mittleren Alters kommt auf mich zugestürmt und baut sich drohend vor mir auf. Ich versuche ihr zu erklären, dass ich lediglich die Landschaft fotografiert habe, noch dazu mit einem Weitwinkelobjektiv, sie ist auf Grund der Entfernung eh kaum zu erkennen (bestenfalls als Silhouette) und dürfte auch rechtlich gesehen als Beiwerk zu verstehen sein. SIe hingegen nimmt aber an, dass die Größe der Kamera und des Objektivs nur die Schlussfolgerung zulässt, dass ich ein Paparazzo mit fragwürdigen Absichten sein muß ... :roll:

      "Hey sie da, haben sie mich etwa gerade fotografiert?" Ein Linienbus hält unmittelbar neben mir, ein erbost dreinschauender Busfahrer pöbelt aus der Seitenscheibe und "belehrt" mich, dass ich das gar nicht dürfe. Wieder habe ich ein Weitwinkelobjektiv verwendet, den Bus habe ich in der Nacht aufgenommen, als Langzeitbelichtung. Tatsache ist, dass nicht nur der Busfahrer nicht zu erkennen ist, nein, auch der Bus selbst ist nicht zu erkennen ... :roll:

      Mir kommen 2 Gedanken:
      Zum einen scheint es, dass man es oft mit Vorurteilen zu tun bekommt. Der Fotograf, der böse böse Paparazzo, der vorsätzlich die Intimsphäre anderer Personen verletzt und diese dann schamlos bloß stellt.
      Zum anderen werde ich das Gefühl nicht los, dass das Einfordern der Wahrung von "Persönlichkeitsrechten" um seiner selbst willen erfolgt und nicht aus einer Notwendigkeit heraus. Das Recht am eigenen Bild ist plötzlich zu einem Thema geworden und wo Rechte definiert werden, gibt es immer solche, die dieses Recht pauschal einfordern, ganz gleich, ob das tatsächlich sein muß oder nicht. Mir scheint es, als wenn es dabei weniger um Persönlichkeitsrechte als um Kontrolle und Macht gehen könnte.

      Als Fotograf fühle ich mich auch oft unwohl, wenn ich Passanten zwangsläufig mit ins Bild nehmen muß, weil es anders einfach nicht geht, ganz besonders dann, wenn ich von diesen Leuten bemerkt werde. Ich glaube, dass das vielen Leuten gar nicht bewußt ist. Bei meinen Bildern treibe ich daher (von Ausnahmen mal abgesehen) auch einen nicht gerade unerheblichen Aufwand, um zu vermeiden, dass im finalen Bild noch irgendwer zu sehen ist. Im Ergebnis hat man dann leer gefegte und steril wirkende Plätze, was nicht unbedingt die Realität so widerspiegelt, wie ich das eigentlich gerne zeigen würde.

      Vor allem fehlt es m.M.n. an Kommunikation zwischen Fotografen und Passanten. Ich merke an den persönlichen Gesprächen, die ich mit vielen Menschen führen konnte, dass da viel Unsicherheit und auch Erklärungsbedarf besteht. Ich weiß nicht, wie man das bewerkstelligen könnte, vielleicht muß das mal zu einem großen Thema in den Medien werden, um sich da konstruktiv austauschen zu können ...

      Ich halte es jedoch für schwierig bis unmöglich, spontan oder auch geplant Street/Landschaft zu fotografieren und gleichzeitig die geforderten Persönlichkeitsrechte einzuhalten. Damit meine ich nicht abgebildete Personen, die zweifelsfrei als sog. "Beiwerk" durchgehen, sondern eben jene Aufnahmen, wo man tatsächlich vorher fragen und sich eine juristisch einwandfreie Einverständniserklärung unterschreiben lassen müßte. Das ist fernab jeglicher Realität und der Tod jeder spontanen und ungestellt wirkenden Fotografie ...


      Das Verrückte an unserer Gesellschaft ist doch, dass einerseits das Netz von Selfies und Schnappies regelrecht geflutet wird, wo man Menschen in unschönen Posen, oft nur leicht bekleidet und in fragwürdigem Zustand "bewundern" darf (oft genug von diesen Leuten selbst fotografiert und selbst ins Netz gestellt), andererseits aber Leute vor Gericht ziehen, weil sie als Beiwerk und im Profil in irgendein Bild geraten sind, und dann vor Gericht auch noch Zuspruch erhalten. Selbst die Tatsache, dass diese Menschen kaum erkennbar sind und weder verunglimpft oder sonstwie bloßgestellt werden, ja vielleicht sogar künstlerisch anspruchsvoll das Bild bereichern, spielt dabei keine Rolle. Klagen um des Klagens willen, ein beliebter Sport ist das heutzutage geworden, so scheint es mir manchmal ...

      Hier ist übrigens das Bild, das den Busfahrer so erzürnt hat: Lightning Experiences :mrgreen:



      Mit liebem Gruß
      Frank
      Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard
    • Es ist gut und spannend, was hier diskutiert wird. Einleitend möchte ich zum Thema der bolivianischen Hüte sagen, dass ich es gut und mutig finde, diesen offenkundigen Widerspruch hier zu posten. Seien wir ehrlich: Jeder hat doch seine 'bolivianischen Hüte' auf der Festplatte. Ich glaube, es tut nicht not, dass wir übereinander urteilen. Jeder macht das mit sich selber ab. Und jeder muss sowieso für das geradestehen, was er tut, wenn es mal hart auf hart käme.

      Mein Wunschkonzert, wäre das Prinzip der Panorama Freiheit auch bezogen auf Menschen im öffentlichen Raum. Ist aber nicht so. Deshalb fotografiere ich entweder privat (private Motive, liebe Menschen), da ist es mir völlig egal, ob ich im Hintergrund noch jemanden drauf hab. Oder ich fotografiere 'für' eine Öffentlichkeit (Blog, Forum, Instagram etc.), da achte ich auf Unkenntlichkeit (Silhouette, Aufnahmeentfernung, Bewegungsunschärfe) oder Menschenleere.
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      Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
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    • Wenn ich auf der Straße fotografiere bgreife ich mich als Teil des Geschehens. Das beinhaltet auch meine Ansprechbarkeit.
      Es ist wichtig wie ich mich verhalte. Wenn ich ein Interesse an den Menschen dort habe entgeht mir auch kein skeptischer
      oder fragender Blick. Indem ich so eine Beobachtung freundlich und offen begleite ist der erste Schritt zu einem Gespräch
      gemacht. Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt die Szenerie nach einer Aufnahme noch mindestens so lange weiter
      zu beobachten wie vorher.
      Das schafft schonmal ein Klima der Ansprechbarkeit und vermeidet den Eindruck des unnahbaren Paparazzo.

      Wir alle sind für das Ansehen der Fotografie mitverantwortlich in unserem Verhalten.
      So ist es mir in nun mittlerweile 50 Jahren Fotografie nicht einmal vorgekommen daß ich in irgendwelche Schwierigkeiten
      geraten bin. Wohlgemerkt - auch ich mache mein Bild wenn ich meine daß ich es haben muss.

      Die Vermeidung von Menschen in der Straßenfotografie aus Gründen der Angst vor Diskussionen oder Fragen halte ich für
      ganz schlecht. Es fällt in der internationalen Galerie schon langsam auf daß überall in der Welt Menschen auf der Straße
      sind aber in Deutschland scheinbar nur Gebäude, Gegenstände und manchmal ein Auto.
      Das geht mir zu weit.
    • Ich bin da sehr bei Axel, mir geht es weitestgehend ähnlich in meinem Fotografieverhalten. Fotos ohne Menschen entsprechen einfach nicht
      dem realen Leben. Auch ich habe noch nie ein Problem bekommen, wohl auch deswegen, weil ich nicht paparazzimäßig vorgehe.
      Bei interessanten Personen frage ich entweder vorher oder nach der Aufnahme, bitte um Erlaubnis es behalten zu dürfen oder im Extremfall
      um Erlaubnis der Veröffentlichung. Meist entwickelt sich dabei ein interessantes Gespräch und auch das gehört zur Fotografie auf der Straße
      einfach dazu, es ist wie das Salz in der Suppe. Eine Darstellung von Personen in entwürdigenden oder beleidigenden Situationen
      verbietet mir meine gute Erziehung.
      Fazit: Ich werde mich auch weiterhin wie gewohnt verhalten, ohne bei jedem Bild gleich zur Selbstgeißelung zu schreiten, sondern
      bewußt und überlegt die weiteren Schritte zu überdenken.
      Ansonsten wäre mir der Spaß an der Fotografie genommen...ich lasse mir ihn aber nicht nehmen!

      lg willi
      "Es kann von keinem vernünftigen Menschen jeden Tag was Gescheites kommen." Hans Meyer
    • Axel schrieb:

      Es fällt in der internationalen Galerie schon langsam auf daß überall in der Welt Menschen auf der Straße

      sind aber in Deutschland scheinbar nur Gebäude, Gegenstände und manchmal ein Auto.
      Das liegt sicherlich auch an der Auslegung unserer Gesetze von diversen Anwälten, denen ich nie begegnen möchte.

      Deswegen kann ich hier einige Argumentationen und Verhalten, zumindest innerhalb von Deutschland, nicht nachvollziehen. Das Risiko wäre mir zu gross in Teufels Küche zu kommen.
      Ich hoffe für euch alle dass ihr nie in Schwierigkeiten kommt.
      Gruß Dieter
      Fotobuch London, Homepage, Canon 80D (60D), EF-S 10 - 22 USM, EF-S 15 - 85 IS USM, EF 100 Makro USM, EF 70 - 300 IS USM