Der Papyrus von Yuya

  • Kairo, Ägyptisches Museum


    Das Museum ist leider eine Katastrophe. Ausstellungsstücke sind teilweise reingestopft und nicht präsentiert, eine Beschriftung ist oft nicht vorhanden, nur arabisch oder bestenfalls kurz und knapp in englisch, ohne Hintergründe zu beleuchten. Zusammenhänge, zeitliche Abläufe oder historische Erläuterungen: Fehlanzeige. Zum Glück steht ein neues, viel größeres Museum in der Nähe der Pyramiden kurz vor der Eröffnung. Das alte ist schon jetzt um einige Ausstellungsstücke erleichtert worden, die ihren Umzug bereits hinter sich haben.


    Ach, apropos Hintergründe beleuchten: Die Beleuchtung mit Neonröhren von oben mit unterschiedlichen Farb- und Lichtwerten ist die Freude eines jeden Fotografen ;-)


    Trotz all der Widrigkeiten habe ich versucht ein paar interessante Einzelheiten festzuhalten. Ja, auch Einiges aus dem Grab des Tutenchamun, aber das kennt man ja schon alles von 10.000 anderen Fotos ...


    Ein Flügel in einer der Etagen des Museums war dem Grab des Ehepaares Yuya und Tuya gewidmet (wie bei allen altägyptischen Namen gibt es auch hier dutzende verschiedene Schreib- und Aussprachevarianten). Diese Eheleute waren die Eltern der Königin Tiye (Tije, Teye oder wie auch immer), der Frau des Amenophis III (oder Amenotep III oder ....) und stammten wohl aus einem Seitenzweig der königlichen Familie und waren vermögend. Jedenfalls war ihr Grab reich ausgestattet und es wurde unberührt aufgefunden, so dass die Ausstattung erhalten war. Am interessantesten fand ich den Papyrus des Yuya, eine Papyrusrolle von über 19m Länge, auf der das Buch der Toten mit allem, was zu einer Beisetzung dazugehörte, niedergeschrieben ist. Einige schön anzusehende Abschnitte habe ich fotografiert (leider habe ich für das verwendete Objektiv keinen Polfilter, so dass auch Spiegelungen zu sehen sind - ich glaube ich muss mal shoppen gehen)









    Als kleine Draufgabe zeige ich auch gleich noch das Schatzkästlein der Tuja, ..





    ... den Jagdwagen des Yuya ...





    ... und die Kanopengefäße der Tuja (Kanopen dienten der Aufbewahrung der inneren Organe, die bei der Mumifizierung entnommen wurden)





    Als Abschluss noch eine Büste des Töchterchens, Tiye. Sie war berühmt für ihre Schönheit und ihr Lächeln (vermutlich die einzige Frau, die im alten Ägypten lächelnd dargestellt wurde).






    Der Sohn von Amenophis III und Tiye bestieg den Thron als Amenophis IV, schwor dann aber dem Glauben an Amon Ra ab und verehrte Aton als Haupt- und einzigen Gott. Entsprechend wechselte er seinen Herrschernamen (Namen hatten die Herrscher sowieso Dutzende und keiner regierte unter seinem Geburtsnamen) auf Akhenaten (bzw. Echnaton), baute eine neue Hauptstadt und ging als Ketzerkönig in die Geschichte ein. Seine Frau hieß übrigens Nofretete und ist trotz ihres Alters auch heute noch eine der schönsten Frauen, die in Berlin residieren ;-) Echnatons Sohn Tutanchaten machte die Glaubensreform rückgängig und nannte sich hinfort Tutenchamun. Die neue Hauptstadt seines Vaters hat er wieder verlassen, sie ist nach nur kurzer Blüte wieder untergegangen. Damit endet die Geschichte des Tutenchamun, er ist mit 18 Jahren vermutlich bei einem Unfall ums Leben gekommen. In seinem kurzen Leben hat er natürlich nicht viel leisten können und wäre heute vermutlich nur wenigen Spezialisten bekannt. Allerdings wurde sein Grab (übrigens wegen seines kurzen Lebens ein recht kleines, unscheinbares Grab) wie das seiner Urgroßeltern Yuya und Tuya nahezu unberührt aufgefunden und so ist er heute wohl neben Khufu (alias Cheops - der mit der Pyramide), Ramses II, seinem Vater Echnaton, dem Ketzerkönig, sowie den Pharaoninnen Hatschepsut und Kleopatra VII der berühmteste Herrscher aus der 3.000-jährigen Geschichte des alten Ägypten.

  • Trotz der Lichtverhältnisse sind das eindrucksvolle Aufnahmen.


    Ich hatte das schon von einem Kollegen gehört, dass das Museum sagen wir mal „komisch“ sei. Lieblos zusammen gestellt und schlecht ausgeleuchtet. Das Licht soll auch ein großes Problem für die Farben der Exponate sein. Etliche alte Farben
    leiden unter falschem Licht.


    Ich hatte gelesen, dass beim arabischen Frühling bereits Plünderungen und Beschädigungen entstanden sind. Einfach nur traurig.


    Aber Deine Aufnahmen gefallen mir sehr gut. Ich bin auch öfters in Museen zum fotografieren. Das ist nicht einfach. Größtes Problem sind die Spiegelungen auf Vitrinen.


    :daumenhoch:

  • :danke: für's Reinschauen.


    Polfilter wäre schon schön gewesen, ich mag keine Selfies :roll:;-) In vielen Museen kann man Spiegelungen minimieren, wenn man einen entsprechenden Blickwinkel wählt. Dort sind aber auch die ausgestellten Objekte beleuchtet und es ist nicht der Raum, ohne Rücksicht auf die Ausstellungsstücke, ausgeleuchtet. Es kommt in Kairo sogar vor, dass Vitrinen im Schatten stehen, weil eine Stützsäule des Raumes im Wege steht. Aber wie gesagt, Abhilfe naht, für das neue Museum in Giza (unweit der Pyramiden) stehen wohl 50 Hektar zur Verfügung (mehr als manch ein Bauernhof sein eigen nennt) und die Hauptfassade soll wohl 800m lang sein (aus eigener Anschauung des fast fertigen Baus glaube ich diese Größenordnung). Dafür wird voraussichtlich ein Teil der bisherigen Ausstellungsstücke im Depot verschwinden (andere aber herausgekramt werden - die Ausstellung erhält dann hoffentlich eine anständige Struktur). Eröffnung ist - wie beim BER - schon mehrfach verschoben worden, aber für 2020 sieht es wohl ganz gut aus. Das bisherige Museum soll nach dem Umzug offensichtlich grundsaniert und als Dependance weiter genutzt werden. Vermutlich benötigt man dann in Kairo schon alleine für den Museumsbesuch mindestens eine Woche.


    @Ponti
    Lesen ist nicht einmal die Schwierigkeit, du kannst die Hieroglyphen in lateinische Buchstaben übertragen. Aber wer versteht schon altägyptisch? :ugly::mrgreen: Und den geschichtlichen Exkurs habe ich auch nur eingeflochten, weil Tutenchamon und Nofretete vielen Menschen und Echnaton doch einem Gutteil der deutschen Bevölkerung bekannt sind.

  • Polfilter brauchst du nicht


    Polfilter wäre schon schön gewesen

    Ich bin ja öfters in Museen (s.o.) unterwegs und kämpfe fast jedes mal mit den Spiegelungen. Ein Polfilter hilft hier am wenigsten, da das Licht nicht polarisiert eingesetzt wird. Da kann man drehen wie man will, es wird einfach nichts. Ab und zu habe ich meine Begleitungen gebeten, eine dunkle Jacke hinter mir aufzuspannen. Das bringt etwas Linderung. Ansonsten muss man zusehen, dass man in einem stumpfen Winkel an das Objekt der Begierde kommt.


    In Rom gibt es im Petersdom noch eine andere Art "Fotoverhinderer". Die Schreiben, z.B. von der Pieta, sind so beschichtet, dass der AF hin und her tanzt. Da muss man manuell fokosieren.


    Aber ich beneide Dich um diese Reise und die Eindrücke, die Du gewonnen hast. Ich bin leider ein Schisser und traue mich z.Zt. nicht nach Kairo. Aber irgendwann werde ich mich überwinden und mir die Pyramiden und das Museum mit eigenen Augen ansehen.


    Nochmals .... tolle Serie! Hast Du noch mehr?

  • Ich bin ja öfters in Museen (s.o.) unterwegs und kämpfe fast jedes mal mit den Spiegelungen. Ein Polfilter hilft hier am wenigsten, da das Licht nicht polarisiert eingesetzt wird.

    Was meinst Du mit "polarisiertes Licht wird nicht eingesetzt"?


    Ich hätte gedacht, dass es auf den Winkel des einfallenden Lichts ankommt, ob man eine Spiegelung mit dem Pol-Filter eleminieren kann oder nicht. Ein Schritt zur Seite könnte ggf. schon zu einem besseren Ergebnis führen.
    Problematisch dürfte es jedoch werden, wenn mehrere unterschiedliche Lichtquellen zur Spiegelung beitragen.

  • Was meinst Du mit "polarisiertes Licht wird nicht eingesetzt"?

    Also ich kann das nicht genau (wissenschaftlich) erklären, aber natürliches Licht, sprich Sonne, kann man beispielsweise mit einem Polfilter so ausfiltern, dass Spiegelungen fast vollständig verschwinden. Der Blick in einen Teich mit Spiegelung kann man mit einem Polfilter so ausfiltern, dass man die Fische sehen kann. Mit eigenen Augen sieht man sie aber nicht.


    Künstliches Licht, dazu auch oft LED-Spotlichter in Museen, haben eine andere Wellenlänge und deshalb kann man deren verursachte Spiegelungen nicht aussperren. Oder so ähnlich .... wie gesagt, genau kann ich das nicht erklären, weiß aber, dass das von der Lichtquelle abhängt, ob man die Spiegelungen wegdrehen kann. Das hat auch nichts mit der Qualität des Filters zu tun. Der teure für 110 € schafft das genauso wenig, wie ein billiger für 10 €.


    Vielleicht kann Dennis das erklären, er hat ja sehr viel Ahnung von Filtern.

  • Danke für den interessanten Bericht! Selber war ich leider noch nicht in Ägypten.



    Ich hätte gedacht, dass es auf den Winkel des einfallenden Lichts ankommt, ob man eine Spiegelung mit dem Pol-Filter eleminieren kann oder nicht. Ein Schritt zur Seite könnte ggf. schon zu einem besseren Ergebnis führen.

    Das halte ich für richtig. Es geht am besten, wenn der Einfallswinkel zw. 50° und 60° liegt (in der Nähe des "Brewsterwinkels"). Der Einfallswinkel wird zum Lot hin gemessen. Das wären also zwischen 30° und 40°, wenn du in Richtung der Spiegelung blickst und zur Glasfläche hin misst. Man müsste mal testen, wie groß der Einfluss der benutzten Brennweite ist: Bei Weitwinkeln ist man nah am Glas und hat einen großen Blickwinkel. Da wird ein Polfilter nur einen kleinen Bereich des Bilds verbessern können. Bei einem Tele nimmt man einen größeren Abstand ein und hat dann wegen des kleineren Blickwinkels eher die Chance, eine globale Bildverbesserung zu erreichen.


    Problematisch dürfte es jedoch werden, wenn mehrere unterschiedliche Lichtquellen zur Spiegelung beitragen.

    Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt.


    Nachtrag:
    Warum ein Polfilter bei einem Teich besser wirkt als vor einer Museumsvitrine liegt m.E. nicht am Licht sondern am geeigneteren schrägen Winkel, unter dem man auf die spiegelnde Fläche blickt. Wenn man senkrecht auf eine Glasplatte schaut (oder auch auf einen Teich von oben), bewirkt ein Polfilter gar nichts.

  • Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt.

    Tut es prinzipiell auch nicht, aber ich denke, Claudia meint nicht Art der Lichtquellen, sondern deren Anzahl.


    Die meisten Lichtquellen, einschließlich der Sonne, liefern nicht polarisiertes Licht. Heißt, die Wellen schwingen in allen Ebenen/Richtungen. Erst optische Grenzflächen (Wasser/Luft, Glas, manche - nicht alle - metallischen Oberflächen, Lacke, ...) absorbieren einen Teil dieser Strahlung oder lassen ihn durch, und reflektieren nur einen Anteil der Strahlung, der dann nur noch in einer Richtung schwingt: eben polarisiertes Licht. Und erst dann kann der Pol-Filter wirken, indem man ihn genau "quer" zu dieser Schwingungsrichtung stellt.


    Der Filter-Effekt hängt also kaum von den Primär-Lichtquellen ab (von Ausnahmen abgesehen), sondern von der Grenzfläche und - wie Bertram richtig ausführt - vom Reflexionswinkel. Und die Hobbitin hat schon recht, wenn sie bemerkt, dass das Ausfiltern umso schwieriger wird, je mehr Lichtquellen aus unterschiedlichen Winkeln auf die Grenzfläche treffen; man bekommt dann immer nur eine Reflexion ausgefiltert, die anderen liegen halt wieder außerhalb des geeigneten Reflexionswinkels.


    Da ist Bonobo's Methode noch die beste: einfach ein schwarzes Tuch vor die Beleuchtung hängen (lassen) - da packt er das Problem gleich bei der Wurzel. :ugly:

  • Nochmals danke für das rege Interesse (auch für die Filterdiskussion - so erfährt man hier nicht nur zur Historie etwas sondern auch zum Hobby) und für die positiven Rückmeldungen.

    Ich bin leider ein Schisser und traue mich z.Zt. nicht nach Kairo. Aber irgendwann werde ich mich überwinden und mir die Pyramiden und das Museum mit eigenen Augen ansehen.

    Ich bin (fast exakt) eine Stunde vor Anis Amri auf dem Breitscheidplatz gewesen und habe den Weg des von ihm gelenkten Lkw gekreuzt ...

    Hast Du noch mehr?

    Ja, ist aber noch in der Bearbeitung (die Museumsbilder halten wegen des tollen und abwechslungsreichen Lichts beim Weißabgleich ganz schön auf - jedes Bild eine komplett individuelle Bearbeitung). Wenn es mir möglich ist, werde ich noch was zeigen.



    Einen Aspekt möchte ich noch zu der Filterdiskussion hinzufügen. Im Museum handelt es sich um Objektfotografie. Ich möchte das Objekt aus der mir interessantesten Perspektive darstellen. Es nutzt mir nichts, wenn ich z.B. das Schatzkästchen von unten links fotografiere, weil aus diesem Blickwinkel (mit oder ohne Polfilter) keine Spiegelung auftritt. Das entstehende Bild sieht trotz des sauberen Blicks einfach nur grottig aus. Mache ich Objektfotografie im Studio, kann ich Beleuchtung und Blickwinkel der Kamera aufeinander abstimmen, um ein optimales Bild zu erhalten. Das geht im Museum eben nicht, ich muss mit dem vorgegebenen Licht(-einfall) arbeiten. Im ägyptischen Museum war schon die Schwierigkeit, dass viele Vitrinen so niedrig angebracht sind, dass ich locker drüber hinwegsehen konnte. Viele der Fotos dort sind in knieend oder mit weit gespreizten Beinen und vornübergebeugt entstanden. Sah oftmals bestimmt ziemlich bekloppt aus, was ich da veranstaltet habe.