Posts by manolo

    Zwischen einer guten Rolleiflex (E bzw. F, oder sogar eine neuere GX) und einer YashicaMat liegen preislich Welten, die man auf den Bildern - außer bei wirklich saueberem Arbeiten - nicht zwingend sieht. Eine Rolleiflex 2,8F ist natürlich schon schön und haptisch erheblich wertiger als die Yashica. Sonderausführungen wie umschaltbares Zählwerk/Andruckplatte für 120/220er Film oder gar die seltene Planglasausführung hauen noch einen extra-Obulus drauf. Die eingebauten Selen-Belichtungsmesser sind aber meistens am Ar*ch. Ich persönlich würde eine ganz andere Kamera in die engere Wahl nehmen: eine Mamiya C330S mit Wechseloptiken und integriertem Balgen. :)
    Nebenbei, warum muss es eigentlich eine Zweiäugige sein? Eine Kowa Six z.B. gibt es oft günstig, sie ist robust und Parallaxausgleich ist kein Thema,

    Die Konsequenzen für den Kameramarkt sind sicher bedeutend. Für mich besonders Interessant an der Entwicklung ist aber die Frage, was das alles letztlich für unser Hobby bedeutet. Mit HDR, Panorama, Super-Weitwinkel und der gleichen holt man heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Auch Bokeh-Aufnahmen werden von den Phones wohl bald gut genug beherrscht und allerlei Nachbearbeitungen, Filter, Verfremdungen und KI-Verbesserungen sowieso.

    Für die große Masse, die bequem und ergebnisorientiert denkt, mag das so stimmen.
    Zumindest ein kleiner Kreis an - nennen wir es Enthusiasten, wird aber dennoch bis auf weiteres auch den Weg ans Ziel gewichten, die taktilen und haptischen Besonderheiten der "richtigen" Kamera gegenüber dem stereotypen touch und wisch-Displaygeschubber schätzen und sich an Dingen wie Magnesiumbodys, klickenden Einstell- und Modusrädern, Auslösern mit Druckpunkt oder Eyelevel-Suchern erfreuen. Das ist doch bei Autos genauso. Fährt jeder immer den elektronisch assistierten, sparsamen, komfortablen und modernen Audi Q-irgendwas-Pummel?
    Nein.
    Es gibt immer noch viele Menschen, die ihren ollen Volvo-Backstein, ihren Mercedes-Youngtimer, den einfachen Dacia Logan Kombi schätzen und nutzen.
    Oder Sonntags die alte Boxer-BMW durch die Mittelgebirge treiben. Auch wenn der moderne Hybrid oder SUV bzw. das perfekte neujapanische Motorrad alles besser kann.
    Emotionen bei der Nutzung sind nunmal nicht aufs Ergebnis getackert.
    Mir z.B. macht ein beschi**enes "Kennst Du eines, kennst Du alle"-Smartphone als Kamera auch nicht die Bohne Spaß. Egal wie gut die Bilder werden.

    Wer heute - gerade mit dem gehörigen Abstand - wissen will wie eine intuitive Systemkamera aussieht, sollte mal eine (zugegenermaßen analoge) Leica M6 1.Serie oder eine Nikon FM2 in die Hand nehmen.



    BÄMMMM.

    ... Warum muss aus trivialen Einstellungen eine Wissenschaft gemacht werden. ...

    Guter Satz. Obwohl man ihn nicht nur im Fokus künstlich intelligenter Automatiken verstehen kann, sondern auch hinuntergebrochen auf dass, was Fotografie letzlich ausmacht: die bestmögliche Lichtmenge im passenden Fokus im richtigen Augenblick. Mehr ist es nicht.


    Verschlusszeit - Blende - Fokus. Dazu noch ISO bzw. Empfindlichkeit.


    Punkt.


    Wenn ich in einem mittlerweile 40 Jahre alten Mercedes W123 fahre, habe ich Gas, Bremse, Kupplung, Schalthebel, Lenkrad. Dazu Lichtschalter, Blinker, Scheibenwischer und Hupe. Klima? Fenster auf.


    Punkt.


    In einer aktuellen E-Klasse habe ich mehrere Handbücher, so dick wie die Telefonbücher von Bielefeld oder Nürnberg.


    Was Fotografie betrifft, ist der eigentlich revolutionäre Punkt das heute übliche teilen der Bilder.
    Alles andere, die Menge an Menüpunkten, optischer Sucher oder EVF, AF-Tracking, Fratzen-Detection und so weiter sind eigentlich nur Füllstoff.
    Denn letztlich geht es immer noch nur um :


    Verschlusszeit - Blende - Fokus. Dazu noch ISO bzw. Empfindlichkeit.

    Ich kenne den Film.


    Was Du über die Bilder Deiner Eltern schreibst, schließt den Kreis.
    Das Inflationäre der Banalität, die Selbstinszenierungen, die Flut an miesen und letztlich surrealen, irrelevanten und inhaltsleeren Bildern machen - für mich - den technischen Fortschritt uninteressant. Ich fahre auch nicht freiwillig die Ruhrautobahn A40 im Berufsverkehr - und gucke mir dann Zuhause noch Videoaufnahmen aus Dashcams anderer Fahrer vom gleichen Stau an.

    Ich habe den Eindruck, dass bei den neuen Handys immer mehr ins Bild eingegriffen wird. Mit den möglichen unerwünschten Folgen.

    Das ist genau das, was mich an den Handybildern stört. Aber Sehgewohnheiten ändern sich anscheinend, wenn man offen dafür ist. Deswegen redet heute auch niemand mehr über einen möglichst analogen, natürlichen Look, wie er zu Anbeginn der Digitalfotografie als erstrebenswert galt, sondern man freut sich an HDR-ähnlicher Dynamik ohne tiefe Schwärzen und an (künstlich) hochgepushten Details, auch wenn da ursprünglich gar keine waren. (Überspitzt gesagt).
    Die wachsartige Haut und die schrillen Farben moderner Display-TV Geräte findet man ja auch super, das was noch vor 20 Jahren aus einer Sony Black Trinitron oder einer Grundig-Röhre purzelte und eigentlich viel realitätsnäher ist, lockt dagegen keinen Mensch mehr hinter dem digital imitierten Ofen hervor. ;)