Posts by manolo

    Du sprichtst da ein Thema an, das MICH zumindest nach wie vor lieber zur Kamera greifen lässt als zum Smartie: die Ergonomie. Ich will a) einen Sucher, b) ein, zwei Rädchen, mit denen ich, das Auge schon am Sucher, noch schnell Blende / Zeit und Über-/Unterbelichtung steuern verändern kann, mit Daumen und Zeigefinger - nicht über irgendwelche Menüs auf dem Bildschirm, auf dem ich eigentlich schon das Motiv im Visier habe. Und ein gewisser Spieltrieb ist auch nicht zu leugnen: Foten mit dem Handy ist für die Sinne halt so spannend wie das Einschalten des Wasserkochers.

    Du sprichst mir aus der Seele.

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    ...und trotzdem: ich finde schon, dass man den Unterschied zwischen einem Smartphone-Bild und einem Bild aus der DSLR meistens sehen kann. Und zwar gerade daran, dass die Farben und die Dynamik anders sind. Inzwischen muss man vielleicht sagen: weniger dramatisch, weniger gefällig, weniger krass. Dafür spürt man vielleicht mehr Charakter des Objektivs (wenn es noch welchen hat) und die Struktur des Bildes ist stimmiger, homogener, echter.


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    Es geht aber doch gar nicht (immer) ums Ergebnis. Viele spontane, flüchtige Momente/Motive leben vom imperfekten. In den meisten Fällen reicht da fast jede Qualität aus, man könnte getrost mit einer EOS20D und Kitlinse fotografieren oder mit einer FZ30...


    Losgelöst vom Ergebnis halte ich ein Gerät oder Instrument, von mir aus auch Medium in der Hand. Es ist einfach ein Unterschied ob ich mit einer ollen Magnesium-Semipro fotografiere, die jede Menge satt funktionierende Hardbuttons und Einstellräder anbietet, oder ob ich mir ein flaches, verschmiertes Display zum draufrumtatschen einen halben Meter vors Gesicht halte.

    DAS ist für mich ein ganz entscheidendes Kriterium, das Ritual zum Hobby. Ich kann letzteres eben nicht leiden, und ich bohre ein Loch auch lieber mit einer Makita oder Hilti anstatt mit einer "Aldi" oder "Yushiungshang", auch wenn das Loch das gleiche (nicht das selbe) ist.

    Ja, das mag fürchterlich alt, menschlich und sentimental erscheinen, aber das erlaube ich mir als Aphex Twin, Westbam und co. hörender 60jähriger einfach mal. :cheers:

    Hightech ist in den seltensten Fällen emotional.

    Wo Automobilhersteller als Ausnahme ihren PS- , Elektronik- und Assistentenmonstern noch (!) Brücken zur Tradition durch böse Blicke, Designzitate, aufgerissene Riesenmäuler und Soundengineering schlagen, ist das bei vielen Branchen und Produkten, speziell aus der Unterhaltungselektronik, längst Vergangenheit.

    Die meisten Fotogeräte sind doch nur noch seelenlose Software und virtuelle Funktionsvielfalt im Überfluss, mit endlosen, verschachtelten Nerd-Menüs, verpackt im Plastikkleid (selbst wenn ein halber Millimeter Aluminium oder Magnesium drum herum ist), haptisch unsexy und dominiert vom Rotstift.

    Viele Funktionen wie die teils grotesken Serienbildraten entbehren - Hand aufs Herz - jeglicher Sinnhaftigkeit für Otto und Ottilie Normalverbraucher.


    Ich bin seit rund 20 Jahren leidenschaftlicher (gut, in letzter Zeit etwas gebremster) Alltagsknipser mit Präferenz auf schräge Stilleben und dazu in der "Natur" unterwegs, oft abseits der Wege. Was bringt mir eine 42 MP.- Spiegellose mit 280 Personalisierungsoptionen und Tiergesichtserkennung :ugly: für Vorteile? Warum soll ich mit sowas rumlaufen (und anfassen), wo ich meine Bilder, so wie die meisten Knipser da draußen, nur für mich auf dem Rechner angucke oder vielleicht mal deutlich verkleinert auf Flickr zeige? Das wäre banaler, technologischer Overkill...

    Könnte ich im Frühling die "Route des Grandes Alpes" von Genf nach Nizza mit einem Wunschfahrzeug fahren, wäre dies ein Mercedes 280SL R107 aus den 80ern und kein Tesla oder iX sonstwas-BMW..


    Mich wundert in punkto Kameraweltmarkt nichts.

    Ja, Pentax ist Nische pur. Und hat seine Nische auch immer nischiger gemacht - speziell im Einsteigerbereich dürfte nicht mehr viel gehen, das Desaster, lernresistent und viel zu lange an der katastrophalen Blendensteuerung der "kleinen" Modelle festzuhalten, hat zweifellos Reputation gekostet - ich nehme mich da nicht aus. Pentax wäre nicht der erste Markenname, der durch einen Neuanfang den Phönix macht. Die L-Alliance bietet dafür sicher reichlich Infrastruktur. Mit wem auch sollten sie sonst gehen?

    Zwischen einer guten Rolleiflex (E bzw. F, oder sogar eine neuere GX) und einer YashicaMat liegen preislich Welten, die man auf den Bildern - außer bei wirklich saueberem Arbeiten - nicht zwingend sieht. Eine Rolleiflex 2,8F ist natürlich schon schön und haptisch erheblich wertiger als die Yashica. Sonderausführungen wie umschaltbares Zählwerk/Andruckplatte für 120/220er Film oder gar die seltene Planglasausführung hauen noch einen extra-Obulus drauf. Die eingebauten Selen-Belichtungsmesser sind aber meistens am Ar*ch. Ich persönlich würde eine ganz andere Kamera in die engere Wahl nehmen: eine Mamiya C330S mit Wechseloptiken und integriertem Balgen. :)
    Nebenbei, warum muss es eigentlich eine Zweiäugige sein? Eine Kowa Six z.B. gibt es oft günstig, sie ist robust und Parallaxausgleich ist kein Thema,

    Die Konsequenzen für den Kameramarkt sind sicher bedeutend. Für mich besonders Interessant an der Entwicklung ist aber die Frage, was das alles letztlich für unser Hobby bedeutet. Mit HDR, Panorama, Super-Weitwinkel und der gleichen holt man heutzutage niemanden mehr hinter dem Ofen hervor. Auch Bokeh-Aufnahmen werden von den Phones wohl bald gut genug beherrscht und allerlei Nachbearbeitungen, Filter, Verfremdungen und KI-Verbesserungen sowieso.

    Für die große Masse, die bequem und ergebnisorientiert denkt, mag das so stimmen.
    Zumindest ein kleiner Kreis an - nennen wir es Enthusiasten, wird aber dennoch bis auf weiteres auch den Weg ans Ziel gewichten, die taktilen und haptischen Besonderheiten der "richtigen" Kamera gegenüber dem stereotypen touch und wisch-Displaygeschubber schätzen und sich an Dingen wie Magnesiumbodys, klickenden Einstell- und Modusrädern, Auslösern mit Druckpunkt oder Eyelevel-Suchern erfreuen. Das ist doch bei Autos genauso. Fährt jeder immer den elektronisch assistierten, sparsamen, komfortablen und modernen Audi Q-irgendwas-Pummel?
    Nein.
    Es gibt immer noch viele Menschen, die ihren ollen Volvo-Backstein, ihren Mercedes-Youngtimer, den einfachen Dacia Logan Kombi schätzen und nutzen.
    Oder Sonntags die alte Boxer-BMW durch die Mittelgebirge treiben. Auch wenn der moderne Hybrid oder SUV bzw. das perfekte neujapanische Motorrad alles besser kann.
    Emotionen bei der Nutzung sind nunmal nicht aufs Ergebnis getackert.
    Mir z.B. macht ein beschi**enes "Kennst Du eines, kennst Du alle"-Smartphone als Kamera auch nicht die Bohne Spaß. Egal wie gut die Bilder werden.

    Wer heute - gerade mit dem gehörigen Abstand - wissen will wie eine intuitive Systemkamera aussieht, sollte mal eine (zugegenermaßen analoge) Leica M6 1.Serie oder eine Nikon FM2 in die Hand nehmen.



    BÄMMMM.