Nachthimmel... wie geht's richtiger wenn Sternschnuppen ins Bild kommen

  • Hallo ihr lieben Sternengucker und Astrofotografen!
    Ab und an überkommt es mich und ich möchte auch mal den Sternenhimmel ablichten, normalerweise mache ich das so:
    Stativ, manuell auf etwas "unendlich" weit entferntes fokussieren, Iso auf 3200 oder 6400 (D750, passt also schon), Belichtungszeit so zehn Sekunden, Blende meist irgendwas zwischen 4 und 8, Brennweite eher so 24mm (oder je nach Vordergrund auch länger), Fernauslöser mit 2 Sekunden Vorlauf und wenn ich dran denke, dann mach ich auch noch den Augennupsi zu.
    Damit bin ich im allgemeinen immer gut gefahren und hab mich an den Bildern erfreut!


    Jetzt war ich am Wochenende bei sternklarem Himmel in der Eifel und auch wenn es in der Nähe ein paar Laternen gab, die waren so nett und haben alle nur nach unten geschienen. Also habe ich mein Stativ etwas abseits auf ein Feld gestellt und ein paar Bilder gemacht. Weil es oben so hübsch war habe ich dann auch mal die Kamera senkrecht nach oben gerichtet und zwei Bildchen gemacht. Aktuelle Einstellung war ISO3200, f6.3, 10". (Die 6.3 waren da ehrlicherweise meiner Baseligkeit, dem vorher genossenem Ardbeg Uigeadail oder beidem geschuldet, sont wäre es f4 geworden).


    Beim zweiten Bild kam dann der Zufall zu hilfe und schwupps - fiel eine Schnuppe über den Himmel während der Verschluss offen war. Stefan hatte Spaß in den Backen und da ich dachte, dass ich das eh nicht mehr toppen kann hab ich meine Plörren eingepackt und habe mich wieder zum Ardbeg nach drinnen verzogen.


    Da kam dann beim ersten sichten die Enttäuschung: Schöne Sternenbilder, aber von einer Schnuppe nichts zu sehen, Männo! Jetzt zu Hause habe ich dann mit LR nochmal genauer nachgeschaut und tatsächlich: Bei LW +3,59 wird eine Spur sichtbar und bei LW +4,34 sieht die Schnuppe gut aus. Dummerweise sieht das ganze Bild dann Scheiße aus, alles verrauscht! Also habe ich ein bisschen mit den Reglern gespielt und bin mittlerweile an einem Punkt, wo das Bild den Sternenhimmel meiner Meinung nach ganz gut wiedergibt, es ist auf dem Bild tatsächlich deutlich mehr an Sternen zu sehen als für meine Augen vor Ort.


    Die Hauptfrage die sich mir stellt: Die Schnuppe!
    Schnuppen sind zwar fürs Auge schön hell und gut zu erkennen, die Schnuppe auf dem Bild war für meine Augen das deutlich hellste Element am Himmel, allerdings sind die Schnell und lassen sich durch lange Belichtungszeiten nicht beeindrucken und schon gar nicht besser auf den Sensor bannen. Wenn ich jetzt meine Einstellungen und die Schnuppensichtbarkeit bedenke bedeutet das für mich, wenn ich Schnuppen gescheit fotografieren will muss ich mit der ISO auf 12.800 hoch und mit der Blende nicht über f4 gehen damit ich was sehe ohne in LR die Belichtung hochzudrehen. Richtig oder Denkfehler? Wenn ich dann auch noch gleichzeitig Vordergrund mit im Bild haben wollen würde, schlimmstenfalls noch beleuchteten, dann habe ich einfach die Arschkarte oder muss mit dunkelem Karton den Vordergrund nach einer Sekunde oder so maskieren...


    Damit ihr jetzt auch noch wisst worüber ich rede, hier noch die Bilder. Einmal dft-tauglich:



    Dann hier einmal der Link zum entwickeltem JPG in bester Qualität



    Und hier gibt es dann noch das RAW



    Schöne Grüße


    Stefan

  • Die gleiche Problematik stellt sich eigentlich auch bei allen Nachtbildern, wo man z.B. sich bewegende und illuminierte Objekte ablichten möchte, dabei aber berücksichtigen muß, dass es "die eine" optimale Belichtungszeit für das gewünschte Gesamtbild inkl. der Bewegung einfach nicht gibt.


    Das führt i.d.R. dazu, dass ich zunächst die Szene selbst (also den statischen Teil) sinnvoll belichte und dann weitere Aufnahmen mache, die sich dem bewegenden Teil widmen. Für diese Bewegung ist der ISO Wert der entscheidende Faktor, die Belichtungszeit wiederum wähle ich so, dass die Umgebung mind. etwas dunkler ausfällt(!), als beim statischen Bild. Mit etwas Glück lässt sich die gesamte Bewegung vollständig aufzeichnen (bei Sternschnuppen sollte das also kein Problem darstellen) und mit dem ISO Wert kann man dabei steuern, wie hell der Schweif insgesamt werden soll. Vor hohen ISO Werten muß man dabei keine Angst haben, denn so ein Schweif kann ruhig etwas kräftiger entrauscht werden und enthält eh kaum Details.


    Der Rest ist dann ganz einfach per EBV erledigt, in dem man die Aufnahme mit dem Schweif dem statischen Bild hinzufügt und dabei einen Verrechnungsmodus auswählt, der nur den Schweif als helleres Objekt auswählt (deshalb muß der Hintergrund auch etwas dunkler sein als beim statischen Bild, damit das funktioniert).


    Die Blende für die Aufnahme mit der Bewegung weiter zu öffnen als beim statischen Bild stellt nach meiner Erfahrung kein Problem dar, ganz im Gegenteil. :smile:



    Mit liebem Gruß
    Frank

    Der Augenblick ist jenes Zweideutige, darin Zeit und Ewigkeit einander berühren. Kierkegaard

  • allerdings sind die Schnell und lassen sich durch lange Belichtungszeiten nicht beeindrucken und schon gar nicht besser auf den Sensor bannen. Wenn ich jetzt meine Einstellungen und die Schnuppensichtbarkeit bedenke bedeutet das für mich, wenn ich Schnuppen gescheit fotografieren will muss ich mit der ISO auf 12.800 hoch und mit der Blende nicht über f4 gehen damit ich was sehe ohne in LR die Belichtung hochzudrehen. Richtig oder Denkfehler?

    Richtig, was die Blende angeht. ISO12800 muss nicht unbedingt sein, denn:


    Belichtungszeit so zehn Sekunden, Blende meist irgendwas zwischen 4 und 8, Brennweite eher so 24mm

    Grundsätzlich gilt bei Astro-Fotografie immer, dass man ja so viel Licht wie möglich auf den Sensor lassen sollte. Abzublenden macht daher in den wenigsten Fällen Sinn, es sei denn, man hat ein Objektiv, das sehr auffälliges Coma oder Astigmatismus zeigt, dann macht Abblenden unter Umständen Sinn. Aber ansonsten ist Offenblende eigentlich immer Pflicht! Bei der maximalen Belichtungszeit gilt die Faustformel 500/Brennweite bzw. 300/Brennweite, wenn man auf Nummer sicher gehen will, d. h. dass bei 24mm ca. 12 - 20 Sekunden i. d. R. problemlos drin sind, ehe die Erdrotation ein Problem wird.

  • @Picturehunter
    Jaaa... ich bin derzeit nicht in einer Phase wo ich Bock habe, mehrere Bilder zu einem verschmelzen zu lassen, weder in Form von Panoramen noch von Belichtungsreihen oder Doppelbelichtungen. Ich kenn' mich einfach zu gut und weiß, dass ich dafür nicht die richtige Form von Foto-Meditation beherrsche :)


    @PhilippV3
    Gut, in Zukunft werde ich also die Blende immer offen lassen (Wenn mich der Ardbeg nicht am denken hindert). Aber ISO 3200 ist doch dann (mit meinem Objektiv) immer noch zu wenig:
    Das Bild war gemacht mit ISO 3200 und f/6.3, bei LR habe ich +4,5 LW benötigt.
    Wenn ich jetzt f/4 nehme und ISO 3200 brauche ich rechnerisch immer noch +3,2 LW in LR (f/6,3 ist 1 1/3 Blendenstufe von f/4 weg)
    ISO 12800 sind von ISO 3200 zwei weitere "Blendenstufen", macht immer noch eine "Minderbelichtung" von 1,2 Also käme ich selbst mit einem (bei mir nicht vorhandenem) 24mm/f2,8 nicht ganz an meine Schnuppen-Wunsch-Helligkeit...


    Ich hab auch mal mein 12mm/2,8 Fisheye probiert, aber da finde ich, dass die Ergebnisse es nicht rechtfertigen, das Stativ überhaupt in die Hand zu nehmen, nur doofe Bilder :)


    Schöne Grüße
    Stefan

  • Aber ISO 3200 ist doch dann (mit meinem Objektiv) immer noch zu wenig:
    Das Bild war gemacht mit ISO 3200 und f/6.3, bei LR habe ich +4,5 LW benötigt.
    Wenn ich jetzt f/4 nehme und ISO 3200 brauche ich rechnerisch immer noch +3,2 LW in LR (f/6,3 ist 1 1/3 Blendenstufe von f/4 weg)
    ISO 12800 sind von ISO 3200 zwei weitere "Blendenstufen", macht immer noch eine "Minderbelichtung" von 1,2 Also käme ich selbst mit einem (bei mir nicht vorhandenem) 24mm/f2,8 nicht ganz an meine Schnuppen-Wunsch-Helligkeit...

    Du hast jetzt noch die Verdoppelung der Belichtungszeit vergessen, das bringt auch nochmal eine Blendenstufe. Wenn maximal 24mm/f4 zur Verfügung stehen, ist das natürlich dennoch grenzwertig, vor allem bei den zeitlich nur kurz erscheinenden Sternschnuppen. Ich würde trotzdem maximal mit ISO6400 arbeiten und den Rest selektiv bearbeiten/aufhellen. Bei ISO12800 ist die Dynamik an der D750 schon ziemlich flach und die Nachbearbeitung sehr viel schwieriger. Im Übrigen sind Sternschnuppen ja auch unterschiedlich hell, wenn du eine sehr helle verwischst reichen f4 und ISO6400 völlig aus.


    Aber genau aus diesen Gründen wird für Astro-Fotografie (ohne Star-Tracker) eben gerne mit sehr lichtstarken (U)WW-Objektiven gearbeitet wie den bekannten 24mm/1.4, 20mm/1.4 oder 14mm/2.8. Lichtstärke geht da über alles. Letzteres wäre für Sternschnuppen natürlich nur bedingt hilfreich, weil durch die kürzere Brennweite "nur" längere Belichtungszeiten ermöglicht werden.


    Hier kann man sich in das Thema übrigens sehr gut einlesen: Lonely Speck - How to Photograph the Milky Way – Astrophotography Tutorials, Tools, Gear + Inspiration

  • Du hast jetzt noch die Verdoppelung der Belichtungszeit vergessen, [...]

    Nee, die hab ich nicht vergessen: Die Schnuppe ist ja nur für eine kurze Zeit da und ob ich den Verschluss jetzt 10 oder 30 Sekunden offen habe ist der Schnuppe schnuppe: Nach 'ner Sekunde oder so ist sie halt weg.


    Ja, so ein 24/1,4 wäre schon toll, aber mir fällt bei meiner Fotografie halt nichts ein, wo ich das sinnvoll einsetzen könnte, wahrscheinlich würde ich das noch weniger nutzen als mein Fischauge und dafür mal eben 750€ oder so auf denn Tisch legen... Da komme ich mir gegenüber ja schon in Rechtfertigungsnot, wie soll ich das dann erst meiner Liebsten verkaufen ;)
    Nee, da stünde dann erst mal ein 24-70/2,8 auf der Wunschliste!


    Der Hinweis mit manuell selektiv Aufhellen ist aber auch schon mal zielführend für mich.


    Hast Du (oder sonst jemand) vielleicht noch ganz konkrete Empfehlungen zum entrauschen, das Bild habe ich ja schlussendlich erst durch Umwandlung in SW ansehnlich bekommen...


    Schöne Grüße
    Stefna

  • muss ich mit der ISO auf 12.800 hoch und mit der Blende nicht über f4 gehen damit ich was sehe ohne in LR die Belichtung hochzudrehen. Richtig oder Denkfehler?

    Diese hier (über dem Baum) ist bei F1.8 / ISO 1.250 aufgenommen. Mag jetzt von Motiv und Helligkeit nicht Deinem Ansprüchen genügen und ist auch mit einem SWW aufgenommen, aber die Schnuppe sieht man doch deutlich. Zwei weitere Aufnahmen mit ISO 3.200 zeigten andere Schnuppen auch ganz deutlich (waren aber leider wegen Autoscheinwerfern untauglich). Die Helligkeit hängt sicher von Masse und Geschwindigkeit ab, aber Deine scheinen doch rechte Dunkelheimer gewesen zu sein.

  • Diese hier (über dem Baum) ist bei F1.8 / ISO 1.250 aufgenommen. Mag jetzt von Motiv und Helligkeit nicht Deinem Ansprüchen genügen und ist auch mit einem SWW aufgenommen, aber die Schnuppe sieht man doch deutlich. Zwei weitere Aufnahmen mit ISO 3.200 zeigten andere Schnuppen auch ganz deutlich (waren aber leider wegen Autoscheinwerfern untauglich). Die Helligkeit hängt sicher von Masse und Geschwindigkeit ab, aber Deine scheinen doch rechte Dunkelheimer gewesen zu sein.

    Die ist doch super und traumhaft! Ich hätte an dem Abend für einen bequem zu Fuß zu erreichenden Solitärbaum bestimmt einen Ardbeg gegeben ;)


    Ich wollte eigentlich noch ein paar Aufnahmen auf dem neben der Ferienwohnung gelegenem Friedhof machen, aber der war überall mit Straßenlicht besprenkelt, war doof.


    Ich muss ganz ehrlich auch sagen, dass es mir nicht "aktiv bewusst" war, dass Schnuppen unterschiedlich hell sind.


    Schöne Grüße
    Stefan

  • Ich glaube du hattest einfach kein Glück mit deiner Schnuppe, die war wohl einfach zu mickrig. Ich hab mal eine unerwartet auf ein Bild gekriegt. Sie war trotz 15 Sek. Belichtung heller als alle Sterne;

    Hah! Das ist wahrscheinlich die Lösung :)
    Ich hatte Glück, aber halt nicht genug :)


    Aber ich will mich mal nicht beschweren, immerhin hatte ich dieses Jahr schon einmal das große Glück ein Feuerkugelereignis gesehen zu haben.


    Schöne Grüße
    Stefan