Wieviele Bilder?

  • Da habe ich mal die selben Schlüsse wie Sven, würde es aber anders herum formulieren:


    "Ich bin in meinem Alter immer noch so begierig auf Neues, dass ich mir Altes nicht x-mal ansehen möchte."


    Wir planen in diesem Zusammenhang seit einigen Jahren unserer größeren Reisen so, dass es nur noch kleine, relativ selektive Unternehmungen sind. Also z.B. ein Klassiker wie "Südwesten der USA" würde ich nie in einem großen, einzigen Rutsch machen, sondern vielmehr in verschiedenen kleinen, sehr speziell ausgesuchte Häppchen mit relativ geringen Fahrleistungen, möglichst ohne Hotspots, und dann zwei Jahre später an andere Stelle weiter. Da hat man doch viel mehr davon, und behält sich zukünftig noch viel Luft für weitere Unternehmungen. Das schließt allerdings dann quasi aus, zumindest bei den größeren Reisen, dass man nochmals an den gleichen Ort kommt. Bei Leuten, die organisierte Reisen machen, wäre das sowieso anders. Aber die sehen halt auch nie die "kleinen Dinge", die mMn mit Abstand die interessantesten von allen sind.

    lg, Achim

    (Von mir eingestellte Bilder dürfen grundsätzlich bearbeitet und bei DFT gezeigt werden.)

  • 11 Tage Urlaub 1908 Bilder. Das war Pfingsten 2019. Allerdings sind auch die Kamera meiner Tochter und das Smartphone meiner Frau involviert. Trotzdem: bei knapp 175 Bildern pro Tag kann ich schwer irgendetwas erhellendes zum Thema 'Reduktion' beitragen.


    Ach ja, ich hatte das Gefühl, gar nicht fotografiert zu haben, ausser mit dem Smartphone.

    www.stefansenf.de
    Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
    Ricoh Theta V | Pentax KP, 10-17, 18-300, 15, 21, 35, 55, 70 und Lensbaby | Samsung NX1000 und NX300 mit 16, 16-50, 20-50 und Altglas

  • Ich würde da nicht von Reduktion reden was mich betrifft. Eher von Fokussierung aufs - für mich - Wesentliche.
    Ob das in Timbuktu oder im Vorgarten ist spielt keine Rolle.
    Ebensowenig ob nun Smartphone oder Kamera/welche beteiligt war.
    Wenn ich mein Bild habe bin ich zufrieden ;)

  • Ich glaube, sich auf das für einen selbst Wesentliche zu konzentrieren, ist ein Anspruch den viele haben. Und wenn sie es unbewusst tun. Ein Foto ist ja immer auch ein Spiegel desjenigen, der es aufnimmt. Die Tatsache, dass er es macht, sagt immer etwas über ihn aus. Es ist immer wesentlich, in diesem Augenblick. Womöglich ist das dem Fotografen nur nicht klar.


    Auf Sylt war ich so oft wie möglich abends am Strand. Hab der Sonne zugesehen, wie sie erst nach 10 Uhr im Meer versinkt. Wie kurz vorher die Offshore-Windkraftanlage als Schattenriss auftaucht, die tagsüber fast unsichtbar ist, wie die Brücken irgendwelcher Frachtschiffe über den Horizont ragen. Das war wesentlich. Warum? Weil es mich spiegelt. Das Herunterkommen. Die Weite und Offenheit genießen.

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  • Aber wenn grade die letzten Sonnenstrahlen die Kapelle erleuchten, mit einem langsam in der Dämmerung versinkenden Hintergrund, oder einem Gewitter, oder oder oder ... dann würden es bei mir halt doch wieder 10-15 Aufnahmen werden. Von denen ich dann zwei oder drei behalte. Was ich vermeiden möchte, ist dass ich zuhause erst merke: "Hättste mal noch ein Bild von weiter links gemacht, mit dem kleinen Busch mit drauf und dem Talblick im Hintergrund. Jetzt ist die Gelegenheit vorbei, schade."

    Deswegen habe ich auch ausdrücklich den Klammerzusatz geschrieben. Schon vor ein paar Jahren habe ich mir vorgenommen, keine Entscheidung in meinem Leben mehr zu bedauern. Ich treffe eine Entscheidung anhand der mir zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Fakten. So ist es richtig. Stellt sich hinterher heraus, etwas war mir zum Zeitpunkt der Entscheidung nicht bekannt, dann macht das die Entscheidung nicht falsch. Ich hätte höchstens mit dem Mehr an Wissen eine andere Entscheidung getroffen. Da aber die Faktenlage zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung halt begrenzt war, konnte die Entscheidung nur so fallen, wie ich sie getroffen habe. Falsch können somit nur Entscheidungen sein, über die man vorher nicht nachgedacht hat. (Leider ist das Ganze nicht so einfach, wie es hier klingt und ich möchte nicht behaupten, dass ich das immer hinbekomme :roll: )


    Diese Maxime versuche ich jetzt auch auf die Fotografie anzuwenden. Dann ist das eine Bild ohne Wenn und Aber und ohne Hätte und Wäre immer das richtige für mich - auch wenn es noch tausende andere Perspektiven gegeben hat ;-) (So gesehen, brauche ich hier auch keine Fotos bei der Bildkritik mehr einzustellen - die anderen User haben halt eine andere Faktenlage und kommen nur deshalb zu anderen Meinungen :twisted: )

  • ...die Faktenlage zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung halt begrenzt war, konnte die Entscheidung nur so fallen, wie ich sie getroffen habe

    Für mich spielen in dieser Hinsicht ausser "Fakten" noch weitere Gesichtspunkte eine Rolle.
    So sorgen die persönliche Stimmungslage oder externe Einflüsse vor Ort (z.B.) ebenfalls dafür daß eine
    Entscheidung so oder so ausfällt.


    So geniesse ich den Augenblick der Bildentstehung bereits als Bestandteil des späteren Bildes.
    Gedanken an weitere mögliche Perspektiven, Einstellungen, Brennweiten, Belichtungsvarianten treten dabei
    sehr weit in den Hintergrund. Sie würden nur den Moment belasten sofern sie nicht als intuitives Bedürfnis
    von sich aus aufkommen.


    Ich werde in Kürze von meiner sechsten in die siebte Lebensdekade wechseln. Die Erkenntnis, daß auf der Welt in jedem
    Moment an jedem Ort Dinge passieren die ich nicht erleben kann hat dabei einen eher beruhigenden Charakter ;)
    Natürlich war das von Geburt an nie anders und daher hat wohl lediglich die Erkenntnis was mit dem Älterwerden
    zu tun.

  • Für mich spielen in dieser Hinsicht ausser "Fakten" noch weitere Gesichtspunkte eine Rolle.So sorgen die persönliche Stimmungslage oder externe Einflüsse vor Ort (z.B.) ebenfalls dafür daß eine
    Entscheidung so oder so ausfällt.

    Persönliche Stimmungslage und externe Einflüsse vor Ort subsumiere ich unter Fakten. Bin ich Sch... drauf, dann ist das so und ich akzeptiere das als Fakt ;-) und der Lkw der auf der einen Seite der Kirche parkt und sie dort verdeckt ist auch ein Fakt. Dann nehme ich halt das Bild, das unter diesen Umständen für mich vor Ort das bestmögliche ist, den Lkw kann ich eh nicht zur Seite schieben und Drogen um die Stimmung aufzubessern nehme ich auch nicht :lol: Und wenn ich unter den Umständen gar kein vernünftiges Foto bekomme, dann akzeptiere ich das entsprechend deiner Lebensweisheit auch, weil ich eh Millionen von interessanten Fotos weltweit just in diesem Moment versäume. Die Erkenntnis ist mir nämlich auch schon gekommen, dabei wechsele ich erst nächstes Jahr in die 7. Lebensdekade - vielleicht bin ich ein wenig frühreif :ugly::mrgreen: