Rechtslage in der Street Photography

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      Subjektiv schrieb:

      Genau deshalb empfehle ich bei Fragen, die wirklich interessieren, gelegentlich zum Äußersten zu gehen und den Gesetzestext selbst zu lesen. Ist anstrengend, fördert aber die sachliche Auseinandersetzung ungemein. Zumindest verhindert es, dass einer vom anderen abschreibt und auf diese Weise Interpretationen plötzlich zu allgemein geteilten Wahrheiten mutieren. Der Rat, auch mal selbst zu lesen, stammt übrigens von Juristen.
      Ja, schon klar.

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?

      Eine Extremsituation stellt derzeit Ungarn da, wo JEDE Person (egal ob Beiwerk oder Motiv), vor einer Abbildung um Erlaubnis gefragt werden muss. Was nicht mal mehr Reportagen ermöglicht, weil "der Staat" entscheidet, was "wichtige Information" ist, die von dieser Regelung ausgenommen ist.

      Ideale Voraussetzungen für Absolutismus, Thyrannei und Stattsterrorismus, wenn ich mal länger drüber nachdenke.
      Liebe Grüße
      Ernst
      weinzettl.info
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      ernst.w schrieb:

      Eine Extremsituation stellt derzeit Ungarn da, wo JEDE Person (egal ob Beiwerk oder Motiv), vor einer Abbildung um Erlaubnis gefragt werden muss. Was nicht mal mehr Reportagen ermöglicht, weil "der Staat" entscheidet, was "wichtige Information" ist, die von dieser Regelung ausgenommen ist.

      Ideale Voraussetzungen für Absolutismus, Thyrannei und Stattsterrorismus, wenn ich mal länger drüber nachdenke.
      Da hast Du leider recht - das Risiko, in totalitären Regimes zu fotografieren oder zu schreiben, ist sehr hoch; wer es trotzdem tut, weiß in der Regel, was er risikiert und wofür. Das hat aber mit der Rechtslage in "normalen" Ländern nicht viel zu tun. Und in solche menschenverachtenden Diktaturen reise ich - ganz bewusst - auch nicht mehr.

      ernst.w schrieb:

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?
      Persönlich fotografiere ich rund um die Welt weiterhin auch Menschen in ihrer Umgebung. Allerdings:
      - ich "schieße" grundsätzlich keine Menschen mit der Kamera ab. Weder aus unmittelbarer Nähe noch mit dem Teleobjektiv. Auch nicht, wenn es erlaubt wäre oder unentdeckt bliebe.
      - wenn ich tatsächlich mal eine einzelne Person oder Personengruppe fotografieren möchte, frage ich die Leute vorher; oder zeige ihnen das Bild nachher und frage sie a) ob ich es für meine privaten Zwecke behalten darf und b) ob ich ihnen eine Kopie davon schicken darf. Viele freuen sich darüber. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass mich Leute gebeten haben, das Bild von ihnen zu löschen. Dann tue ich das, vor ihren Augen.
      - Veröffentlichen tue ich solche Bilder so gut wie nie. Das ist manchmal schade, aber ich möchte umgekehrt auch nicht ungefragt auf Bildern im Internet oder auf sozialen Medien auftauchen, vielleicht sogar in Kontexten, die mir ganz und gar nicht recht sind.
      - Szenen, auf den Menschen quasi anonymes Beiwerk sind, veröffentliche ich nur sehr, sehr selektiv. Manchmal "blurre" ich dabei vorher erkennbare Gesichter aus.

      Also: ja, ich mache die Aufnahmen für mich selbst. Nein, ich veröffentliche sie nicht, wenn ich nicht sicher weiß, dass die Leute damit einverstanden sind.

      Doch ich gebe zu, dass ich selbst hier auf dem Forum davon schon abgewichen bin: gerade von Reisen zeige ich (immer seltener, aber immerhin) Bilder mit unbekannten Personen drauf. Ich achte zwar darauf, dass niemand in unwürdigen Situationen dargestellt wird, aber trotzdem ... Früher bin ich damit noch etwas unbekümmerter umgegangen, aber inzwischen ist mir der Respekt vor der Person wichtiger als die Veröffentlichung eines Bildes. Eben, weil ich das gleiche auch für mich beanspruche.

      Das Ganze ist für mich inzwischen mehr eine ethische denn eine rechtliche Frage.
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      ernst.w schrieb:

      Was mich aber wirklich interessiert, ist eher, wie Ihr persönlich derzeit vorgeht - und in Zukunft vorzugehen vorhabt. Was fotografiert Ihr (noch), was traut Ihr Euch zu veröffentlichen?
      Ich sehe mich eher als Reisefotografin und nicht als Streetfotografin, obwohl ich bei meinen Reisen viele Menschen in Alltagssituationen fotografiere.
      Meist spielt da ein gewisser Exotic-Faktor eine Rolle, so dass ich in Deutschland/Europa eher selten Menschen fotografiere.

      Ich werde auch weiterhin Menschen fotografieren, sie gehören für mich bei vielen Motiven/Situationen einfach dazu.
      Heimlich fotografiere ich eher nicht, ich suche meist vor dem Foto den Blickkontakt mit den Menschen oder zeige meine Kamera ganz offen.

      Weiterhin vermeide ich es auch, Menschen in unvorteilhaften/peinlichen Situationen aufzunehmen.
      Wenn ich es selber unangenehm empfinde, dann verzichte ich auch auf entsprechende Fotos, auch wenn es ggf. möglich gewesen wäre, zu fotografieren.
      So habe ich z.B. bei meinem Australien-Urlaub keinen einzigen Aborigene fotografiert, da ich diese nur in herabwürdigenden Situationen angetroffen habe.

      In ganz seltenen Fällen mache ich aber auch mal "heimlich" Fotos, wenn die Motive einfach zu verlockend sind ... also z.B. in Bolivien. Die alten Damen mit ihren prachtvollen Hüten wollen einfach nicht fotografiert werden, aber auf diese Motive wollte ich dann doch nicht verzichten.

      Ich werde diese Fotos auch weiterhin auf meiner Webseite und vereinzelt auch in Fotoforen veröffentlichen, wobei natürlich die Gefahr, rechtlich belangt zu werden eher gering ist, wenn man Bilder aus fernen Ländern zeigt.

      Bei Fotos, die in Deutschland entstanden sind, werde ich je nach Motiv abwägen. Ich denke, dass die Tatsache, dass ich nicht heimlich fotografiere und die Menschen nicht unvorteilhaft gezeigt werden, die Situation grundsätzlich entschärft.

      Ich werde voraussichtlich auch in diesem Jahr wieder beim CSD in Berlin fotografieren. Dort posieren die Leute direkt vor der Kamera und sind erfreut, wenn man sie fotografiert.
      Bei diesen Fotos sehe ich z.B. keinen Grund auf eine Veröffentlichung zu verzichten ...

      Sehr kritisch sehe ich dagegen Kinderaufnahmen. Diese würde ich nicht mehr ohne weiteres veröffentlichen.

      Fazit:
      Ich werde weiterhin entsprechende Fotos machen, bei der Veröffentlichung jedoch im Einzelfall entscheiden.
      Das ein oder andere Foto werde ich ggf. nicht mehr im Internet veröffentlichen, aber es ist dann trotzdem für mich eine private Erinnerung, die mich den Moment wiedererleben lässt.
      Letztendlich zeige ich meine Fotos sehr gerne, aber in erster Linie mache ich die Bilder ja für mich, so dass die Veröffentlichung für mich nicht im Vordergrund steht.
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      Eine sehr schöne Zusammenfassung von Ansichten, die ich insgesamt teile Claudia.

      Natürlich mache ich als Fotograf mein Bild. Wenn das Motiv da ist. Und an der Stelle gibt es auch kaum etwas
      /rechtliches/ was dem entgegensteht. Verantwortung und Verantwortlichkeit sind Ehrensache. Wenn nach sorgfältiger
      Abwägung aller Aspekte ein Bild wider Erwarten "daneben" geht - sei es inhaltlich, geschmacklich oder auch im
      Bezug auf Personenrechte ist das ein Fehler. Das kann passieren. Jedem.

      Was mich an vergangenen Diskussionen zu Fotografie und Recht oft gestört hat waren regelrechte Wettbewerbe im Finden von
      rechtlichen Beschränkungen und deren Ausufern bis zur Selbstgeißelung.

      Deshalb bin ich dafür, jedem Fotografen primär die Hoheit über sein Bild zuzugestehen und davon auszugehen daß
      er in seinem Rahmen schon verantwortungsvoll handelt. Das ist für mich eine Frage von Respekt.
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      Ich finde es ethisch gar nicht schlimm, Menschen die sich in der Öffentlichkeit aufhalten dort auch zu fotografieren.

      Leider ist das aber rechtlich nach meinem Rechtsverständnis tatsächlich unzulässig. Ob die hier im Thread getroffene Unterscheidung zwischen einer Verwendung mit kleiner Öffentlichkeit ('privat') oder eine netzwelt zugängliche Veröffentlichung stichhaltig ist, muss wohl erst ein oberes Gericht klären.

      Wenn ich diese Gegensätze ansehe, kann ich nur hoffen, dass Deutschland fest in der Hand humanistischer und demokratisch denkender und handelnder Politiker bleibt. Die gesetzliche Lage lässt nämlich in meinen Augen dur Haus eine missbräuchliche Nutzung der Regularien zu.

      Tatsächlich wäre eine Deregulierung mMn angebracht. Das Scbutzgut der Kunst- und Meinungsfreiheit hätte ich für wichtiger gehalten als das Recht am eigenen Bild in der Öffentlichkeit.

      Es liegt auf drr Hand, dass sich ein Eindringen in die Sphäre des Privaten verbietet. Auch der Schutz von Schutzbedürftigen oder hilflosen Personen ist ethisch einleuchtend für mich.
      www.stefansenf.de
      Ich moderiere in grün, der Rest ist nur meine Meinung ;-)
      Ricoh Theta V | Pentax KP, 10-17, 18-300, 15, 21, 35, 55, 70 und Lensbaby | Samsung NX1000 und NX300 mit 16, 16-50, 20-50 und Altglas
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      Ich habe auf der Arbeit Kontakt zu etlichen Pressefotografen. Die sind in den Gesetzen oft ausgenommen mit einem Absatz, der Ausnahmen "zur Dokumentation des Zeitgeschehens" zulässt. Sonst käme das ja einem Berufsverbot gleich. Gleiches gilt übrigens auch oft für Strafverfolger, die halt gewisse Dinge doch tun dürfen, wenn es der Strafverfolgung dient (z.B. Drogen ankaufen, obwohl "Beschaffung, Einfuhr, Zugänglichmachung..." unter Strafe stehen).

      Ich denke einige der Fotografen betreiben das auch als Hobby oder kennen sicher die Rechtslage genauer. Und ich werde mal unsere Justiziare fragen, ob die dazu was wissen. Vor Freitag bin ich jedoch nicht im Büro.
      LG
      Lars

      Derzeit nur Panasonic TZ71
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      Der Widerspruch ist offensichtlich. Aber es ist ein Stück aus dem Fotografenleben in der Praxis eben auch mit diesem
      Thema eigenverantwortlich umzugehen und zu entscheiden. Ich denke darauf bezog sich Claudias Aussage.

      Eine m.E. hier passende Äusserung hat Rangar Yogeshwar gestern auf die Frage wie er es denn mit dem Respekt vor roten
      Ampeln hielte gegeben: "Ich wurde in Indien sozialisiert und mein Vater sagte zu mir gehe bei rot, achte aber auch bei grün
      auf Autos"

      ;-)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Axel ()

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      Axel schrieb:

      Eine m.E. hier passende Äusserung hat Rangar Yogeshwar gestern auf die Frage wie er es denn mit dem Respekt vor roten
      Ampeln hielte gegeben: "Ich wurde in Indien sozialisiert und mein Vater sagte zu mir gehe bei rot, achte aber auch bei grün
      auf Autos"
      Der Rangar ist sowieso ein helles Köpfchen...!


      "Es kann von keinem vernünftigen Menschen jeden Tag was Gescheites kommen." Hans Meyer
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      Axel schrieb:

      Der Widerspruch ist offensichtlich. Aber es ist ein Stück aus dem Fotografenleben in der Praxis eben auch mit diesem
      Thema eigenverantwortlich umzugehen und zu entscheiden. Ich denke darauf bezog sich Claudias Aussage.
      Aha. Wir denken mal etwas nach; da sind Menschen, die signalisieren dass sie nicht abgelichtet werden wollen. Fotograf sagt: ich will aber. Fertig.
      Sehr ...